Eckpunkte zur biblischen Botschaft von Gott dem Schöpfer
- ÑAm Anfangì steht für Israel nicht der Glaube an Gott den Schöpfer,
sondern die Erfahrung, daß Çseinë Gott, d.h., der Gott, der sich
Israel zum Bundesvolk erwählt hat, seine (Über-)Macht gegenüber
den Ägyptern und ihren Göttern dadurch erwiesen hat, daß
er das Volk aus Ägypten herausführte.
- Die Exodustheologie ist aber nicht nur historisch früher als
die Schöpfungs-theologie, sondern auch deren Sachgrund: Der Gott vom
Sinai wird von Israel zunehmend deutlicher bekannt als der Herr der Welt
und als einziger Gott. Die Götter der Heiden hingegen sind Menschenwerk
(Ps 135). Jahwes Macht wird durch nichts und niemanden eingeschränkt
- nicht einmal durch seine Gegner (derer er sich bedient: Verstockungstheologie).
- In konsequenter Fortführung des Gedankens führt das im
hellenistischen Judentum zu dem Bekenntnis: Gott hat die Welt - und den
Menschen! - aus dem Nichts erschaffen (ex nihilo meint: non ex aliquo,
d.h.: ohne ihn einschränkende Voraussetzung): 2 Makk 7, 28 (vgl. Hebr
11, 3: ÑDurch den Glauben erkennen wir, daß die Welt durch Gottes
Wort geschaffen ist, so daß alles, was man sieht, aus nichts geworden
ist.ì)
- Bund und Schöpfung sind aufeinander bezogen: Die Schöpfung
ist der äußere Grund des Bundes, der Bund der innere Grund der
Schöpfung (Karl Barth).
- Die biblischen Schöpfungsvorstellungen sind unterschiedlich
und nicht miteinander auszugleichen: Gen 1, 1- 2, 4a; Gen 2, 4b-25; Ps
8; Jes 45, 9.12.18; 2 Makk 7, 28).
Ihre Endgestalt gibt Gottes uranfänglicher Handlung den Vorrang
- als Auftakt der menschlichen Entfremdung von Gott. Sie gibt zu erkennen,
daß ÇSchöpfungë nicht gleichzusetzen ist mit ÇOrdnung des Chaosë.
Israels Glaube bezieht sich dabei - je verschieden - auf zeitgenössisch-konkurrierende
Vorstellungen. Es verändert altorientalische Schöpfungsmythen
- die heutzutage wissenschaftlich genannte Vorstellungen implizieren -
im Licht seines Glaubens: Der Mythos begründet ätiologisch das
Dasein und Sosein der Welt, weder garantiert noch erneuert seine Rezitation
die Welt.
Beispiel: Die Spannung von 6 Schöpfungstagen und 8 Schöpfungswerken
läßt die Aufnahme traditionellen Materials (z.B. aus dem Atramhasis-Mythos
erkennen).
- Gott ist Schöpfer, d.h.: Die Welt ist nicht er selbst, sondern
sein ÇWerkë, von ihm unterschieden. Das ist das (begrenzte) Recht, hierin
ein entmythisierendes Weltverständnis zu vermuten: Die Materie ist
weder göttlich noch widergöttlich.
- Erst mit der Schöpfung beginnt unsere Zeit und Wirklichkeit.
Ihr Ziel ist (nicht die Erschaffung des Menschen, sondern) das Wohnen Gottes
bei seinem Volk (Ex 31, 16f.).
- Gott (er)schafft durch ÇWortë und ÇTatë: ÑHimmel und Erdeì (=
alles). Der Gedanke der grundsätzlich vollendeten Schöpfung schließt
weiteres Wirken Gottes in der Geschichte nicht aus (Gen 2, 2 - Ps 74, 13ff.).
- Gott (er)schafft im Rhythmus der Woche: Das ÑLied von der Schöpfungì
begründet die (altorientalische) Woche Ñim Anfangì, also als gottgewollt
- mit dem Ziel der Sabbatfeier. Diese stellt nicht nur den Bezug her zur
Schöpfung, sondern auch zur Neuschöpfung: (nach)biblische Theologie
eines Ñachtenì Tages.
- Die Entstehungsgeschichte (Genealogie: toledot) von Himmel und Erde
zielt auf die Erlösung des Volkes Israel, ja aller Völker (Völkertafeln,
Deuterojesaja).
- Gottes unsichtbares Wesen kann mit der Schöpfung (grundsätzlich)
auch von Nichtgläubigen aus seinen Werken erkannt werden (Röm
1,20). Vgl. aber auch schon Ps 19, 2.4: ÑDie Himmel erzählen die Ehre
Gottes und die Feste verkündigt seiner Hände Werk ... ohne Sprache
und ohne Worte, unhörbar ist ihre Stimme.ì)
- Weil Gott der Schöpfer ist, kann er auch das Heil realisieren
(Jes 55).
- Prophetische (Jes 65, 17) und apokalyptische Schriften erwarten eine
neue Schöpfung (äthHen 45, 4f.).
- Populäre dualistische Vorstellungen (Gnosis) werden von der
Urgemeinde nicht aufgenommen: Gott ist Ñunser aller Vater..., der die Toten
lebendig macht und ruft das, was nicht ist, daß es sei.ì (Röm
4, 17)
- Gut hellenistisch heißt es von Gott: ÑDenn von ihm und durch
ihn und zu ihm sind alle Dinge.ì (Röm 11, 36)
- ÑAuch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen,
wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann
Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze
Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und
er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen
sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden
könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter
uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter [z.B.
Aratus, Kleanthes]bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da
wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die
Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch
menschliche Kunst und Gedanken gemacht.ì (Apg 17, 25-29)
- Das NT verbindet Jesus mit der Schöpfungsaktivität Gottes
(Sturmstillung, Brotwunder, Dämonenaustreibung, Sündenvergebung,
Heilungen): ÑMein Vater wirkt bis auf diesen Tag, und ich wirke auch.ì
(Joh 5, 17)
- Mit der Auferstehung Jesu beginnt die neue Schöpfung. Sie ist
nicht nur Rückkehr eines früheren ursprünglichen Zustandes
(keine bloße restitutio in integrum).
- Im Anschluß an weisheitliche Vorstellungen (Spr 8, 22-31),
die hellenistische Logosvorstellung (Philo) und die rabbinische von der
Schekinah (Einwohnung Gottes im Tempel) denkt Joh die ÑFleischwerdungì
des anfänglichen Schöpfungswortes (Joh 1, 1 - 14). Jesus ist
die sichtbare Gestalt des Göttlichen (Abbild seines Wesens: uJpovstasi~,
vgl. Hebr 1, 3):
- Nach Art der Exegese des Philo stellt Paulus dem ersten Adam Jesus
Christus als den Ñzweiten Adamì gegenüber.
- Jesus Christus ist Ñdas Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene
vor aller Schöpfungì (Kol 1, 15ff). In ihm ist alles geschaffen, d.h.
er ist Gottes Schöpfungsgrund: Gott schafft durch Jesus Christus.
In Jesus Christus macht sich Gott als Schöpfer der Welt in verhüllter
Weise bekannt.
- ÑDurch den Glauben erkennen wir, daß die Welt durch Gottes
Wort geschaffen ist, so daß alles, was man sieht, aus nichts geworden
ist.ì (Hebr 11, 3)
- Die Verwechslung von Schöpfer und Geschöpf gilt als Grundform
der Sünde (Röm 1, 25).
- Die Schöpfung im Anfang ist bezogen auf das Ende: Gottes Gericht
bedeutet Ñneue Schöpfungì durch annihilatio mundi, Zerstörung
der (sündigen) Welt.
- Die neue Welt (verdichtet im Bild des himmlischen Jerusalem) übersteigt
alles bisher Bekannte, erweist sich jedoch als Erfüllung der Ñim Anfangì
geschaffenen Welt - ohne das Böse. Das ist aus ihr ausgeschlossen.
18.11.2004 Referentin: Cathrina Smith
Argumente der Kreationisten
Inhalt der Evolutionstheorien: Alle Organismen sind in einem einzigen Stammbaum verbunden, an dessen Wurzel einzellige Organismen stehen. Der Artenwandel vollzieht sich in Populationen (=in Fortpflanzung miteinander stehende Angehörige derselben Art) , d. h. es genügt nicht die Änderung einzelner Tiere oder Pflanzen, sondern die Arten müssen sich als ganze ändern. Die Mechanismen (Konkurrenz, Auslese, Aussterben) der Evolution sind für den Veränderungsprozess notwendig erforderlich. Die Menschheitsgeschichte ist am äußersten zeitlichen Rand der Kosmosgeschichte angesiedelt.
Voraussetzung der Kreationisten (Schriftverständnis): Es ist die Absicht der Urgeschichtstexte, wirkliche Geschichte zu berichten, d.h. historisch-faktisch. Begründung: Der Schöpfungsbericht ist nach seiner literarischen Gattung (Textsorte) kein Gedicht, sondern ein Bericht. (Textauslegung)
Innerbiblische Zusammenhänge: Auf den Schöpfungsbericht und
die Paradieserzählung (Mt 19, 3-8) und auch auf den Brudermord (Geschichte
von Kain und Abel) und die Sintflut wird im Neuen Testament so Bezug genommen
(Mt. 23,35; Hebr. 11,4; 12,24; Mt 24,37-39), dass wirkliche/ reale Ereignisse
vorausgesetzt werden.
Anmerkung: Das Gegenteil wird gewöhnlich nicht durch die Textauslegung
oder innerbiblische Zusammenhänge begründet, sondern mit dem
Widerspruch zu evolutionstheoretischen Vorstellungen von der Geschichte
des Menschen.
Erstes Argument: Es gibt (nur) Merkmale, die auf 6 natürliche Tage hinweisen: Der Tag (jom) wird im AT immer für den Erlebnistag benutzt (außer evtl. Hos 6,1f.) Die Schöpfungstage werden der Reihe nach gezählt (... ein zweiter ... dritter usw. Tag). Die Verwendung von Tageszeiten (Abend und Morgen)ist im Alten Testament nie bildlich. In den ersten Tagen war das (die) Licht(quelle) noch nicht die Sonne (1. Mose 1,3-5). Die 6-Tagearbeitswoche und der Sabbats in den Zehn Geboten wird aus der Schöpfungswoche von 6 Tagen und dem Ruhetag Gottes begründet (2. Mose 20,11; vgl. 31,17). Die Wendung Ñtausend Jahre wie ein Tagì(Ps 90,4) kann nicht als Argument eingesetzt werden, um damit etwas über die Dauer der ursprünglichen Schöpfung auszusagen, denn: In Psalm 90 besteht ein anderer Zusammenhang; Gottes Souveränität über die Zeit soll ausgedrückt werden, und dass Gott über dem flüchtigen Dasein des Menschen steht. In ähnlicher Weise wird diese Wendung im 2. Petrusbrief zitiert (2. Petr. 4,8). Aus menschlicher Sicht scheint die Wiederkunft Jesu lange, zu lange zu dauern, aus Gottes Sicht ist die Zeitspanne dagegen kurz.
2. Die Entstehung und das Aussterben von Fossilien widerspricht der sehr guten Schöpfung während der ÑSchöpfungswocheì, in der es noch keinen Tod gab. Eine Welt ohne Tod und Katastrophen hinterlässt keine Lebensspuren unabhängig von der Länge ihres Bestehens. Argumente gegen die Lückentheorie (Vor Beginn des 6-Tagewerks liegt große Zeitspanne, so dass ab Gen 1,3 Wiederherstellung einer schon sehr alten Welt des Tohuwabohu geschildert wird.): Kein Anhaltspunkt im Text (wäre Hineinlegung, nicht Auslegung) Sprachliche Gründe: hebräisches Perfekt kann nicht mit: ìDie Erde wurde Wüste und Leereî übersetzt werden. Hier werden Zustände, keine Ereignisse geschildert. Bei der Begründung des Sabbatgebots heißt es geschaffen (2. Mose 20,11) ? nicht wiederhergestellt. Fossilproblem bliebe bestehen, denn Fossilablagerungen zeigen Regelhaftigkeit, die dem nicht-Eingreifen Gottes im Tohuwabohu widersprächen. Die These Gen 1,1 sei Überschrift und nicht der erste Akt der Erschaffung, lässt offene Fragen: Wenn die Schilderung mit der ÑTohuwabohuì-Erde zeitlich beginnt, wo kommt sie selbst dann her? Wer hat das Tohuwabohu geschaffen? (Es ist aber sonst in der Bibel klar, dass Gott alles geschaffen hat.)
Zweites Argument: Konsequent durchdachte Evolutionslehre schließt die direkte Schöpfung Gottes, sowie den geschichtlichen Sündenfall und eine weltweite Sintflut, aus. Nach der evolutionären Weltanschauung gibt es schon immer Strukturen und Verhaltensweisen, die ausschließlich zum Finden, Erbeuten, Verzehren und Verdauen lebendiger tierischer Nahrung benötigt werden; Einrichtungen für Parasitismus; aber auch Mechanismen der Feindabwehr. Insbesondere schon vor dem Auftreten des Menschen und unabhängig von dessen Sünde. Dagegen erzählt die Bibel von einem einschneidenden Umbruch in der Geschichte der Schöpfung. (Römer 8, 19-22; Römer 5,12-19; Gen 3,16-19; Gen 1,29 und 30; Gen 6,12) Die Bibel zeichnet zwei sehr gegensätzliche ÑGesichter" der Schöpfung, neben dem schönen und angenehmen auch ein hässliches fallsgestaltiges (mit dem Sündenfall zu tun habendes). Die Bibel erklärt, dass die destruktive Seite nicht von Anfang an zur Schöpfung gehörte, sondern erst nachträglich durch eine (historische!) Person in sie eindrang. Problem: Die Frage nach dem Übergang von einer ursprünglichen in die heutige Ökologie ist auf biologischer und physikalischer Ebene nicht zu beantworten, da es keine entsprechende Erfahrungen aus dem heutigen, uns zugänglichen Bereich gibt. Lösungsansätze: Ein abrupter Umbruch, der die Bedingungen des jetzigen Daseins umfassend ändert, könnte durch ÑSteuerungsinstanzen" geschehen, die dem Ursprungsdasein Ñfremd", dem jetzigen Dasein ausdrucksgemäß sind. (z.B. wie bei Symbiose) Auch die (physikalischen) Eigenschaften der Materie müssen im Ursprungssystem von den heutigen Eigenschaften verschieden gewesen sein, sodass die anatomischen Merkmale sich nicht schmerzhaft und gefahrvoll auswirkten; oder die körperliche Konstitution anders gewesen sein, so dass die Schmerzen und Gefahren ausgeschlossen waren. (Bibel bietet eine Gedankenhilfe für eine andere Leiblichkeit als der uns bekannten in Jesus nach seiner Auferstehung.) Ein allmählicher Übergang von der ursprünglichen in die heutige Lebensweise der Organismen kommt nicht in Frage, wenn die Entstehung fallsgestaltiger Strukturen Makroevolution erfordert. Ein allmählicher Übergang von einem ganz anders organisierten Ökosystem in das heutige, wo alle Lebewesen ökologisch durch Fressen und Gefressenwerden miteinander verbunden sind, entzieht sich ebenfalls einer Erklärung durch bekannte biologische Prozesse. Mikroevolution Makroevolution Variationsvorgänge auf der Basis bereits vorhandener Konstruktionen: Spezialisierungen an besondere Umweltbedingungen, Optimierungen einzelner Merkmale, Überlebensstrategien Entstehung neuer Konstruktionen/ Baupläne Beispiel: Variation der Form des Hornschnabels von Vögeln (kurz und dick, fein und lang,...) Entstehung des Hornschnabel aus einem bezahnten Kiefer eines Vorläuferreptils (anderes Material, ...)
Argument gegen die Makroevolution: Die Entstehung neuer Grundtypen, sowie die Entstehung neuer Organe bzw. Bauteile wurde bislang nicht beobachtet. Die Entstehung neuer Arten findet statt, geht aber in der Regel mit einer Verarmung der genetischen Vielfalt der abgespaltenen Arten einher. Artentstehung ist aber keine Höherentwicklung. Daher passt Makroevolution nicht zum Schöpfungshandeln Gottes.
Argumente gegen die Harmonisierung von Schöpfung und Evolution
(ÑTheistische Evolution": Gott erschuf mittels Evolution die Lebewesen,
auch den Menschen.):
1. Plausibilität der Evolutionslehre
Argumentation: Die Ursprünge können nicht unmittelbar erforscht
werden; darüber können nur mehr oder weniger plausible Szenarien
entwickelt werden. Darüber gibt es zum einen keine zwingenden Belege
für Evolution, zum anderen sind grundlegende Fragen im Rahmen des
Evolutionsmodells ungelöst.
2. Religionsgeschichtliche Argumente (Urgeschichte ist Nachdenken über
Gott Israels)
Argumentation: Eine schlüssige Begründung müsste an
dieser Stelle den Nachweis liefern, dass der Ersatz der im Schöpfungsbericht
enthaltenen vermeintlich altertümlichen naturwissenschaftlichen Vorstellungen
durch das moderne (evolutionistische) Weltbild am Aussageinhalt nichts
ändert.
3. Gottes Eigenart (Im Schaffen durch Evolution zeigt sich Gottes Allmacht
und Genialität)
Argumentation: Diese Argumentation ist subjektiv und keine Aussage
der Bibel. Was wir darüber denken ist nicht von Bedeutung. Gottes
Schöpfungsmethode durch Evolution wäre eine destruktive Methode,
die auf einem Überschuss an Tod von Individuen und Arten mit den dazugehörenden
Begleitphänomenen beruht.
4. Gottes andauerndes Schöpfungshandeln (sein beständiges
Wirken in Gegenwart und Zukunft wird plausibel durch die Evolutionsanschauung)
Argumentation: Die Identifizierung von Schöpfungs- und Erhaltungshandeln
ist problematisch, weil die heutige Welt eine Welt der Sünde, also
nicht die der ursprünglichen Schöpfung ist. Den Begriff ÑSchöpfung"
für das Erhaltungshandeln zu verwenden, würde eine Billigung
des heutigen Zustandes suggerieren, die so nicht gegeben ist. Auch Jesu
Wirken ist Einspruch gegen den Gegenwartszustand und Zeichen des Hereinbrechens
der eschatologischen (=zukünftigen, im Sinne von Gottes souveränem
Handeln) Schöpfung.
5. Vergleich zwischen Stammesgeschichte und Individualentwicklung (Gottes
Schaffen als wachsen lassen/ sich entwickeln lassen)
Argumentation: Die Unterschiede zwischen individueller und stammesgeschichtlicher
Entwicklung sind grundlegend. Auch wenn ein Entwicklungsprozess prinzipiell
als Wirken Gottes verstanden werden kann (wie in der Ontogenese), muss
doch eigens begründet werden, weshalb die Art und Weise einer gedachten
stammesgeschichtlichen Entwicklung mit dem biblisch bezeugten Schöpfungshandeln
Gottes vereinbart werden kann.
6. Biblische Hinweise (Verwendung von Ñbara" auch für Vorgänge
des Werdens; die Erde sprossen lassen (Gen 1,11.12), das Wasser wimmeln
(1,20) und die Erde hervorbringen (1,24); ÑEs werde" im Sinne eines evolutiven
Werdens und Wirkens; ÑToledot" (Ñdas ist die Geschichte von ...") mit ÑEvolutionsgeschichte"
übersetzen; stammesgeschichtliche Verbundenheit zwischen Tieren und
dem Menschen, da sie gleichermaßen als näphäsch bezeichnet
werden)
Argumentation: Biblische Texte können die Akzeptanz einer Evolutionslehre
weder begründen noch nahe legen, da sie keine offenkundigen Belege
für eine evolutive Geschichtsdeutung enthält. Der Evolutionsgedanke
wird in die Texte hineingelesen. Manche Textstellen können wohl isoliert
betrachtet mit dem Evolutionsgedanken harmonisiert werden, legen ihn aber
nicht nahe. Folgerung: Hätte Gott durch Evolution geschaffen, dann
1. Es gäbe kein erstes Menschenpaar (dagegen: Mt 19,3-8; Röm
5,12ff.). Damit bräche die Gegenüberstellung Adam ? Christus
zusammen.
2. Gott hätte den Menschen als Sünder erschaffen. Die Rechtfertigung
des Sünders durch den stellvertretenden Sühnetod Jesu würde
keinen Sinn mehr machen.
3. Gott hätte den Tod als schöpferisches Mittel eingesetzt.
In biblischer Sicht ist der Tod jedoch ein Feind (1 Kor 15,26) und er ist
durch Jesus entmachtet worden (2 Tim 1,10). tiefgreifende Konsequenzen
für die neutestamentliche Heilsbotschaft Disskussion: Unterscheidet
sich bei anderen Voraussetzungen auch die (Heils-)Botschaft? Wolf Krötke
in Erschaffen und Erforscht (Berlin, 2002): Die Schöpfungsberichte
sind Mythen, Ñwelche Erfahrungen aus der Welt des Erlebens mit Ursprungsgeschichten
zur Geltung bringenì. Sie sind Ñals zeitbedingte Einsichten zu verstehen,
die von anderen Einsichten überboten werden können.ì(S.32) Er
kommt aber zu dem Schluss, dass Ñdiese Welt ein guter Ort für die
Menschheit seiì, weil sie sich Gott verdankt. (S.36) ? Bejahung eines Lebens
in seinen Grenzen. Allerdings begründet die Christusgeschichte Ñdie
Hoffnung, dass Gott diese Welt und die Menschheit einmal im Reiche Gottes
vollenden wird.ì (S. 37) ? diese Schöpfung ist nicht das Ende der
Wege und Werke Gottes.
Quelle:
http://www.genesisnet.info
Literaturhinweise von genesisnet:
Reinhard Junker, Leben durch Sterben? Schöpfung Heilsgeschichte
und Evolution. Studium Integrale. Neuhausen, 1994. Reinhard Junker: Jesus,
Darwin und die Schöpfung. Warum die Ursprungsfrage für die Christen
wichtig ist. Holzgerlingen, 2. Auflage 2004. Werner Gitt, Schuf Gott durch
Evolution?, Neuhausen. Erläuterungen: Fossilien sind Zeugnisse vergangenen
Lebens. Sie sind aber besonders eindrucksvolle Zeugnisse des Todes, nicht
selten eines gewaltsamen Todes. Unter den Fossilien sind nahezu von Beginn
ihres Auftretens (das heißt etwa mit dem Kambrium) auch zahlreiche
räuberische und parasitisch lebende Tiere bekannt. Deshalb muss die
Bildung auch der frühesten Schichtgesteine mit Tierfossilien nach
dem Sündenfall der ersten Menschen angesetzt werden. Bibelstellen
zum 2. Argument Römer 8, 19-22 Die gesamte außermenschliche
Schöpfung (griech. ktisis) seufzt, ist nichtig und vergänglich.
Diese Existenzweise der Schöpfung kann nicht die ursprüngliche
sein kann, wie sie aus Gottes Schöpferhänden kam. Die Schöpfung
wurde der Vergänglichkeit unterworfen. Das Verhängnis des Unterworfenseins
unter die Knechtschaft der Vergänglichkeit gilt nicht grundsätzlich,
sondern es kennt einen Anfang und ein Ende (ausgedruckt im griechischen
durch die Zeitform des Aorist). Unterworfensein ist Folge des Sündenfalls
des Menschen und kennzeichnet somit erst nachträglich die Schöpfung.
Es wird eine neue Schöpfung geben, in der es keine Vergänglichkeit
und das mit ihr verbundene Seufzen und Geknechtetsein mehr geben wird.
Vgl. Römer 5, 12 und 18: Wie Jesus eine bestimmte Person ist, die
als Jesus aus Nazareth auf dieser Erde gelebt hat, so war es auch Adam.
Somit bezeugt Paulus mit diesen Sätzen in Römer 5, dass eine
historische Person das Einfallstor des Todes in diese Welt war. Nach diesem
Zeugnis kann also der Tod nicht als Schöpfungsmittel angesehen werden,
sondern als Folge der Sünde. Vgl. Gen 3,16-19: Hier werden einige
Hinweise dafür gegeben, dass mit dem Sündenfall Umbrüche
und einschneidende Veränderungen auch im physikalisch-chemischen und
biologischen Bereich einhergingen (Mühsal der Frau in der Schwangerschaft
und bei der Geburt, Verfluchung des Ackers ? um des Menschen willen, V.
17). Hier wurde die Außenwelt verändert. Es wird deutlich, dass
die Konsequenzen des Falls nicht auf die Innenwelt des Menschen beschränkt
werden können. In V. 19 ist außerdem vom physischen Tod die
Rede, vom Zurückkehren zum Staub. Vgl. Gen1,29 und 30: Tieren und
Menschen werden Pflanzen als Nahrung zugewiesen. Gen 6,12: Ñalles Fleisch
seinen Weg auf Erden verdorben" Das frühere Urteil des Schöpfers
über seine Schöpfung (Ñalles war sehr gut"; 1. Mose 1,31) ist
ins Gegenteil verkehrt worden. Mit der Wendung Ñalles Fleisch" ist die
gesamte Menschen- und Tierwelt gemeint. Der Auferstehungsleib Jesu. Eine
Gedankenhilfe dafür, dass eine andere Leiblichkeit als die uns bekannte
möglich ist, bieten die neutestamentlichen Berichte von der Auferstehung
Jesu. Einerseits wird in diesen Schilderungen großen Wert darauf
gelegt, dass Jesus leiblich auferstand (er konnte angefasst werden, er
aß etwas), andererseits wird bezeugt, dass Jesus durch geschlossene
Türen gehen konnte. Wenn wir das versuchen würden, gäbe
es mindestens blaue Flecken. Jesu Auferstehungsleiblichkeit war offenbar
eine andere, wie auch der Auferstehungsleib der Gläubigen von anderer
Qualität sein wird (vgl. 1. Kor 15,42+43). So kann man sich denken,
dass die Leiblichkeit des Menschen, die noch nicht durch die Sünde
betroffen war, von der heutigen Beschaffenheit verschieden war. Dabei kann
jedoch nichts Sicheres darüber gesagt werden, inwiefern die ursprüngliche
Leiblichkeit vor dem Sündenfall der künftigen Auferstehungsleiblichkeit
gleicht. Verständnis des Sühnetods Der Zugang zum Schöpfer
ist offen, weil Jesus Christus durch sein Sterben und seine Auferstehung
diesen Weg eröffnet hat. Jesu Auferstehung bedeutet die Überwindung
des Todes und damit der Knechtschaft der Vergänglichkeit. Die Auferstehung
ist denen verheißen, die ihm nachfolgen. Design-Theorie (auch kritisch)
Zur Schaffung durch Evolution: Ein durch Evolution schaffender Gott hätte
sich also einer Methode bedient, die höchst ineffizient, in keiner
Weise vorausschauend und ausgesprochen stümperhaft wäre. Welcher
Gott stünde hinter einer solchen Schöpfungsmethode durch Evolution?
Wäre die stammesgeschichtliche Evolution die Schöpfungsmethode
Gottes, hieße das beispielsweise, dass der Schöpfer auf der
frühen Erde eine ÑUrsuppe" Hunderte von Millionen Jahren existieren
ließ, um ein erstes Bakterium zu erschaffen, oder dass er Mord und
Kannibalismus benutzte, um affenähnliche Wesen in Menschen zu verwandeln.
Und so kann man viele weitere Beispiele anfügen. Die bekannten Evolutionsmechanismen
können also kaum als Ausdruck schöpferischen Handelns gewertet
werden. Sie sind vielmehr nur in der Lage, vorhandene Strukturen zu erhalten
(durchaus auch zu optimieren). Es handelt sich sozusagen um ÑErhaltungsmechanismen",
nicht um ÑSchöpfungsfaktoren". Und dass diese Faktoren teilweise destruktiv
sind, hängt mit der Todesverfallenheit der Schöpfung infolge
des göttlichen Gerichts über die Sünde zusammen Astronomie,
Astrophysik, Kosmologie: Das Standardmodell Das Standardmodell (Urknallmodell)
ist die momentan allgemein anerkannte TheorieÝzur Entstehung des Universums.
Die grundlegenden Konzepte werdenÝeingeführt und kritisch diskutiert.
Es wird deutlich, dass das Standardmodell primär eine theoretische
AngelegenheitÝist und zahlreiche Komponenten enthält, die nicht überprüft
werden können. Es enthält außerdemÝzahlreicheÝoffene Fragen.
Anomale Rotverschiebung Es gibt heute zahlreiche Beobachtungen, die dem
Hubble-Gesetz zu widersprechen scheinen oder sich im Sinne des Hubble-Gesetzes
nicht befriedigend interpretieren lassen. Obwohl entsprechende Beobachtungen
seit über 30 Jahren regelmässig publiziert werden, werden sie
von der Fachwelt bisher praktisch vollständig ignoriert. Sie sind
ein Zeichen dafür, dass es bislang im Universum noch mehr unverstandene
Phänomene gibt alsÝgewöhnlich eingestanden. Mikrowellenhintergrund
(Hintergrundstrahlung) Die Entdeckung des kosmischen Mikrowellenhintergrundes
1965 wurde als die wichtigste kosmologische Entdeckung gefeiert und erhob
das Standardmodell zur allgemein anerkannten Theorie des Universums. Allerdings
konnte er nur z.T. vorhergesagt werden. Der Mikrowellenhintergrund ist
zwar eine Bestätigung für das Standardmodell, kann aber möglicherweise
auch in anderen Kosmologien untergebracht werden. Die Deutung des Mikrowellenhintergrundes
im Sinne des Standardmodells ist nicht zwingend. Die Erklärung des
Standardmodells ist nicht einzigartig, was manchmal behauptet wird. Dennoch
ist sie gegenwärtig die beste Erklärung. Häufigkeit der
leichten Elemente im Universum Das Universum enthält relativ viel
Helium und andere leichte Elemente. Warum ist das so? Es wird dargelegt,
warum dieser Befund gut zum Standardmodell mit einer heißen frühen
Ära passt. Wie aber an anderer Stelle auch, konnten die Parameter
der Theorie nicht vorhergesagt werden, sondern wurden im Nachhinein angepasst.
Quasi-steady-state cosmology Seit der Entdeckung des Mikrowellenhintergrundes
1965 wurde die Steady-state Kosmologie, die für den Strahlungshintergrund
keine Erklärung bot, nicht mehr als ernstzunehmende Alternative zum
Standardmodell betrachtet. 1993 erlebte das Steady-state Modell mit der
Begründung der Quasi-steady state cosmology aber eine Renaissance.
Die Quasi-steady-state cosmology vermag die grundlegenden Phänomene
des Universums zu erklären. Dadurch könnte sie zu einer AlternativenÝzum
Standardmodells werden. Halton Arp Halton Arp ist ein bekannter Beobachtungsastronom,
der zahlreicheÝObjekteÝbeobachten konnte, die dem Hubble-Gesetz zu widersprechen
scheinen. Durch diese Beobachtungen wurde er zu einem völlig neuen
Verständnis des Universums geführt. In diesem Universum wird
laufend Materie in neu gebildet und in Form von Quasaren aus Galaxien Ñherausgeschleudert".
13.1.05 Referent: Dominik Rzepka
1.) Einordnung der darwinschen Evolutionstheorie in den zeitlichen Rahmen
- Vorüberlegungen von Carl von Linné (1707 ? 1778: ÑDeus
creavit,
Linnaeus disposuit"), George Cuvier (1769 ? 1832), James Hutton
(1795: geologischer Gradualismus), Charles Lyell (1797 ? 1875:
Aktualismus), Jean Baptiste Lamarck (1744 ? 1829: Gebrauch und
Nichtgebrauch; Vererbung erworbener Merkmale)
- Charles Darwin (1844), Alfred Wallace (1858): Theorie der natürlichen
Selektion
- 1859: Veröffentlichung ÑDie Entstehung der Arten" (Reise mit
der
Beagle bereits im Dezember 1831, Beobachtungen der Fauna auf den
Galapagos-Inseln).
2.) Evolution nach Darwin: Gemeinsame Abstammung mit fortwährender
Modifikation
a) Evolution ist ein historisches Ereignis
b) Die natürliche Selektion ist ihr Mechanismus (Theorie)
- Darwin erkannte die Einheitlichkeit aller Lebensformen, indem er sie
allesamt von einem unbekannten gemeinsamen Prototyp herleitete, der
in der fernen Vergangenheit gelebt hatte.
- Aus darwinistischer Sicht ähnelt die Geschichte des Lebens einem
Baum, dessen Stamm zahlreiche Äste bildet, die sich immer weiter
verzweigen bis hin zu den frischen Trieben, welche die gegenwärtige
Mannigfaltigkeit an Lebewesen symbolisieren.
Zu a) s. Absatz 3, ÑSpuren der Evolution"
Zu b) Theorie der natürliche Auslese (Selektion) und Anpassung
basiert
auf fünf Beobachtungen und drei Folgerungen (nach Ernst Mayr,
1982):
Beobachtung 1: Alle Arten weisen ein derart hohes Fortpflanzungspotential
auf, dass ihre Populationsgröße exponentiell zunehmen würde,
wenn alle
Individuen, die geboren werden, sich erfolgreich fortpflanzen würden.
Beobachtung 2: Die meisten Populationen sind normalerweise mit
Ausnahme saisonaler Schwankungen in ihrer Größe stabil.
Beobachtung 3: Die natürliche Ressourcen sind begrenzt.
Folgerung 1: Die Produktion von mehr Nachkommen, als die Umwelt
tragen kann, führt unter den Individuen einer Population zu einem
Kampf
ums Überleben, wobei in jeder Generation nur ein Bruchteil des
Nachwuchses überlebt.
Beobachtung 4: Die Individuen einer Population variieren enorm in ihren
Merkmalen; keine zwei Individuen sind exakt gleich.
Beobachtung 5: Ein Großteil dieser Variabilität ist erblich.
Folgerung 2: Das Überleben im Existenzkampf beruht nicht auf Zufall,
sondern hängt unter anderem von den Erbanlagen der überlebenden
Individuen ab. Die durch ihre ererbten Merkmale am besten an die Umwelt
angepassten Individuen hinterlassen wahrscheinlich mehr Nachkommen
als weniger gut angepasste.
Folgerung 3: Die ungleichen Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeiten
von Individuen führen zu einem graduellen Wandel in einer Population,
wobei sich vorteilhafte Merkmale im Laufe der Generationen anhäufen.
Die natürliche Selektion ist dieser unterschiedliche Fortpflanzungserfolg,
und ihr Produkt ist die Anpassung der Lebewesen an ihre Umwelt.
Variabilität beruht auf Mutationen (Bsp. Punktmutationen) und genetischer
Rekombination (s. 3. Mendel´sche Regel). In jeder Generation
stellen
Umweltfaktoren erbliche Varianten auf die Probe und begünstigen
einige
gegenüber anderen.
Selektion kann unterschieden werden in stabilisierende, gerichtete und
disruptive Selektion.
Auf genetischer Ebene ist der Genpool einer Population wichtig.
Die Entstehung neuer Arten geschieht, wenn sich zwei Populationen einer
Art nicht mehr kreuzen (können), z.B. weil sie geografisch voneinander
getrennt sind (geografische Isolation). Die Darwinfinken auf den
Galapagos-Inseln sind hierfür das bekannteste Beispiel.
3.) Indizien für die natürliche Selektion als Mechanismus
der Evolution oder: Die
Evolution hinterlässt sichtbare Zeichen.
- zahlreiche Feldstudien (neuerdings insbesondere Laborversuche an
Drosophila melanogaster)
- Bsp.: Die Evolution der Schnabelform bei einem Darwinfink
- Fossilbelege
- Vergleichende Anatomie (homologe Strukturen lassen die Abstammung
aller Säugetiere von einem gemeinsamen Vorfahren als wahrscheinlich
erscheinen: Die Vorderbeine, Flügel, Flossen und Arme verschiedener
Säugetiere sind Variationen eines gemeinsamen anatomischen
Konzepts, das für unterschiedliche Funktionen modifiziert wurde).
- Vergleichende Embryologie
- Molekularbiologie: Sogar mit Prokaryoten (Bakterien ohne Zellwand,
evolutiv sehr alt) hat der Homo sapiens etwas gemeinsam, nämlich
gewisse Proteine (Cytochrom c). Genetischer Code ist universell.
- Die Erkenntnis, das Leben habe sich entwickelt, beruht auf historischen
Belegen, nämlich genau jenen obigen Spuren der Evolution. Die
Evolution der Organismen gilt bei nahezu allen Biologen als historische
Tatsache.
4.) Ist die Evolutionstheorie Ñbloß eine Theorie"?
Antwort: Ja und nein.
- Nein, denn die Evolution gilt heute bei einem sehr großen Teil
der
Biologinnen und Biologen als historische Tatsache (aufgrund der im
3.
Absatz aufgelisteten ÑSpuren der Evolution"). Evolution ist beobachtbar.
Die Erkenntnis, das Leben habe sich entwickelt, beruht auf historischen
Belegen.
- Ja, denn Darwin trennte zwischen der Evolution als historischem
Ereignis und der Theorie zur natürlichen Selektion als ihr
Mechanismus. Erstgenanntes Phänomen (Evolution) ist eine
beobachtbare Tatsache. Zweitgenannter Mechanismus (natürliche
Selektion) ist eine Theorie. Jedoch ist der Begriff ÑTheorie" in der
Naturwissenschaft umfassender als eine Hypothese (Die Begriffe
ÑHypothese" und ÑTheorie" werden oft fälschlicherweise als Synonym
benutzt).
Selektion ist allerdings sehr wahrscheinlich und ebenfalls beobachtbar.
Bsp.: Die Evolution der Schnabelform bei einem Darwinfink (ÑNatürliche
Selektion in Aktion")
5.) Die Evolution des Menschen
a) Einordnung des Menschen in den Stammbaum
- Der Mensch ist ein Säuger (Mammalia). Kennzeichen u.a.:
Milchdrüsen, Haare, innere Befruchtung, heterodontes Gebiss
- Evolution der Mammalia: älteste Fossilien von Säugern:
220 Mio. Jahre
- Vorfahre der Säuger: säugerähnliches Reptil (Therapsida)
- Adaptive Radiation während der späten Kreide und des frühen
Tertiär
(vor etwa 70 bis 45 Mio. Jahren) führte zu der Ordnung placentaler
Säugetiere, wie wir sie heute kennen: 4 Äste bekannt, der
vierte Ast
sind die Primaten ? Rodentia
- Ordnung Rodentia = Nagetiere
- Ordnung Primates = Halbaffen, Affen, Menschenaffen und der Mensch
b) Der Mensch
- Australopithicinen: Die ersten Menschen (etwa 4,4 Mio. Jahre alt,
Aufspaltung Menschen - Menschenaffen vermutlich vor 6 ? 8 Mio.
Jahren)
- Australopithicus afarensis: Bekanntestes Fossil (Lucy) ist 3,18 Mio.
Jahre alt (1 m groß, aufrechter Gang, menschenähnliche Hände
und
Zähne, Gehirn ein Drittel so groß wie das heute lebender
Menschen)
- Homo habilis (Ñgeschickter Mensch"): vor ca. 2,5 Mio Jahren
(Vergrößerung des Gehirns, Fund einfacherer Steinwerkzeuge)
- Homo erectus: lebte vor etwa 1,8 ? 0,3 Mio. Jahren in Afrika, war
größer als homo habilis, größeres Gehirn (Volumen:
1200
Kubikzentimeter). Lebte in Hütten oder Höhlen, machte Feuer,
kleidete
sich in Tierhäute und stellte Steinwerkzeuge her. (Nachfahren:
Neandertaler)
- ÑAuswanderung" nach Europa/Asien vor etwa 1,5 Mio. Jahren
- Hier entstand dann evtl. geografische Vielfalt des Menschen
(polyphyletsiches oder auch multiregionales Modell)
- Homo sapiens: älteste Fossilien sind 100.000 Jahre alt (die
bekanntesten aus der französischen Cro-Magnion-Höhle 35.000
Jahre)
- 2 Modelle für den Ursprung des modernen Menschen
a) multiregionales Modell (die moderne Menschheit entstand in
vielen verschiedenen Teilen der Welt)
b) monogenetisches Modell (die moderne Menschheit entstand
ausschließlich in Afrika, von wo aus sie sich vor relativ kurzer
Zeit ausbreitete)
6.) Diskussion
- Die Evolution ist ein historisches Ereignis. Der erste Schritt der
Evolutionstheorie ist wissenschaftlich gesehen mit dem ersten
Schöpfungsbericht nicht vereinbar, solange dieser ebenfalls den
Anspruch hat, die Entstehung der Erde und Arten wissenschaftlich
erklären zu wollen. Die Erde und die Vielfalt der Arten wurden
nicht in
einer Schöpfungswoche geschaffen. Auch wenn die Erklärungen
der
Menschen vor ca. 2500 Jahren falsch gewesen sind: Ist die
Kernaussage (welche ist es?) nicht dennoch nach wie vor gültig?
- Die große Mehrheit der Biologinnen und Biologen erkennt in
der
Evolution also eine historische Tatsache und auch das Theoretische
an
der Evolutionstheorie (Theorie der natürlichen Selektion als der
Mechanismus der Evolution), wird durch Versuche untermauert.
Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für den Dialog zwischen
Naturwissenschaftlern und Theologen?
20.1.05 Referent: Dipl. ing Wolfgang Schultz
Evolution - Schöpfung
ADAMS, DOUGLAS (ENGL SCHRIFTSTELLER, AUTOR): ES GIBT EINE THEORIE, DIE
BESAGT, WENN JEMALS IRGENDWER GENAU HERAUSFINDET, WOZU DAS UNIVERSUM DA
IST UND WARUM ES DA IST, DANN VERSCHWINDET ES AUF DER STELLE UND WIRD DURCH
NOCH ETWAS BIZARRERES UND UNBEGREIFLICHERES ERSETZT. - ES GIBT EINE ANDERE
THEORIE, NACH DER DAS SCHON PASSIERT IST
1.0. Fragen
1.1. Warum glauben wir? Kein Löwe betet. Keine Gazelle
glaubt. Nur der Mensch kennt Glaube, Liebe, Hoffnung. Nur Menschen besitzen
Verstand.
Für Juden, Muslime und Christen ist Gott personaler und universeller
Schöpfergott, der den Kosmos aus dem Chaos geschaffen hat, mit dem
Menschen als Höhepunkt.
Feuerbach, der scharfe Kritiker jeden Jenseitsglaubens, schrieb: "Gott
ist nichts anderes als das in die Unendlichkeit des Himmels projizierte
Wesen des Menschen. Die Menschen sollten an sich selbst glauben, statt
an ein Spiegelbild ihres eigenen Wesens".
Für Karl Marx war Religion der "Seufzer der bedrängten Kreatur",
"Opium des Volkes", eine schädliche Droge, um die Menschen von der
Schaffung des Paradieses auf Erden abzuhalten. Sigmund Freud, der Vater
der Psychoanalyse, sah in Religion lediglich eine psychische Störung,
eine Art universelle Zwangsneurose:
Neben der philosophischen, sozialwissenschaftlichen und psychologischen
Kritik am Glauben trat die naturwissenschaftliche. Je mehr die Forschung
über die Entwicklung der Erde und die Evolution des Lebens herausfand,
desto weniger waren die Ergebnisse mit den Schöpfungsmythen der Religionen
vereinbar.
1.2. Glaube - ein Produkt der Chemie oder Gott eine Formel?
Albert Einstein, der der Träger des Nobelpreises für Physik des
vergangenen Jahrhunderts, hielt am Gedanken fest, dass es hinter dem sinnvollen
Aufbau unserer Welt eine Art Ordnungsprinzip geben müsse: "Im unbegreiflichen
Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft. Die gängige
Vorstellung, ich sei Atheist, beruht auf einem großen Irrtum." Auch
Stephen Hawking, der große Physiker der Gegenwart, hat versucht,
eine Brücke zwischen Wissen und Glauben zu schlagen: "Wenn Sie wollen,
können Sie sagen, Gott sei die Verkörperung der physikalischen
Gesetze. Ähnlich sieht es der katholische Denker und Kirchenkritiker
Eugen Drewermann: "Wir können vom Geist und von der Materie nicht
mehr so sprechen, wie wir es im christlichen Abendland gewohnt waren. Wir
erkennen, dass Geist eine Struktureigenschaft aller komplexen Systeme ist.
Sinn stellt sich auf dem Weg der Evolution selber her. Gott ist in diesem
Sinne etwas, das sich in der Welt und mit der Welt selber entfaltet.
Zu einer solchen Vorstellung von Gott passt kein Alleinvertretungsanspruch
irgendeiner Religion mehr. Weil immer mehr Menschen den einen Glauben hinter
allen Glaubensformen suchen; die eine Wahrheit, der alle Religionen nahe
zu kommen versuchen. In ihrem Kern nämlich gleichen sie sich. In allen
geht es um den einen unfassbaren Gott oder die eine unfassbare kosmische
Kraft. Namen wie Brahma, Tao, Jahwe, Gott oder Allah sind sprachliche Fassungen
für das Unfassbare. Jede Feindschaft zwischen den Religionen ist von
daher vollkommen unsinnig
1.3. Mensch sein? Das alte Denken der Kirchen und Konfessionen ist
wie das der alten Physik: Wo ein Objekt ist, kann kein anderes sein; wo
ein Glaube herrscht, ist für einen anderen kein Platz; wenn einer
wächst, muss ein anderer weichen. Moderne Systemtheorie sieht das
anders. Es geht immer um ein Ganzes, dessen Teile voneinander abhängen.
Wer andere verdrängt, beschädigt das Ganze und damit sich selbst.
Wer wächst, bereichert auch alle anderen. Keiner besitzt die volle
Wahrheit, jeder nur Elemente von ihr. Austausch und gegenseitige Ergänzung
bereichern alle. Religionen bilden ein Netzwerk. Glaube ist ein Prozess.
Drewermann: "Menschsein besteht darin, Träume zu haben, die wirklicher
sind als die gottverdammte Wirklichkeit. Religiöse Visionen widerlegen
das, was wir wirklich nennen. Nur deshalb ist Religion ein Ort von Hoffnung."
1.4. Gott in den Genen? Also, oder gar: "Hat man Gott in den Genen?
Aus Stern.de 25-11-04. Der Glaube an Gott hängt nach einer britischen
Zwillingsstudie zu 40 Prozent von den Genen ab. Wie die Zeitung "The Daily
Telegraph" berichtete, befragte Professor Tim Spector, Leiter eines Zwillingsforschungsprojekts
am Londoner St. Thomas Hospital, dafür 1600 Zwillingspaare. Die Bereitschaft
zum Kirchgang wird demnach nicht vererbt, sondern hängt wesentlich
von der Erziehung ab. "Wenn wir aber danach fragten, wie stark ihr Glaube
an Gott sei, stellten wir einen vererbten Effekt von 40 Prozent fest",
sagte Spector.
2.0. Grundlagen / Definitionen
2.1. Evolution Siehe auch Anlage
Theorie der Evolution Eine Theorie der Evolution versucht
die historische Abfolge der einzelnen Entwicklungsstufen zu rekonstruieren
und Gesetzmäßigkeiten ihrer Entwicklung zu ermitteln.
Evolution in einzelnen Wissenschaften
Viele Wissenschaften setzen sich mit einem Ausschnitt dieser Entwicklungsstufen
auseinander:
o Physik: Physikalische Evolution (Evolution der Naturgesetze, des
Weltalls, Urknalltheorie, Elementarteilchen, Atome; siehe Kosmologie)
o Chemie: Chemische Evolution (Moleküle, Biomoleküle)
o Biochemie: Stoffwechsel, Prae- und Protobionten
o Biologie: Biologische Evolution (Zellen, Gewebe, Individuen, Populationen,
Art, Ökosysteme)
o Soziologie: speziell: Herbert Spencer; in den meisten Theorien, welche
sich mit sozialem Wandel beschäftigen
Informatik: Im Bereich Evolutionärer Algorithmus werden Prinzipien
der Evolutionstheorie zur Lösung von Optimierungsproblemen verwendet.
2.2. Schöpfung Die Schöpfung ist in verschiedenen
Religionen die Bezeichnung für die Erschaffung der Welt, der Dinge
und der Entstehung des Menschen, meist durch eine eigenständige Macht
(Gott). Die Schöpfung wurde und wird vielfach thematisiert.
Sie ist im religiösen Sinne die Erschaffung der Welt durch einen
göttlichen Akt. In fast allen Religionen gibt es Versuche, die Welt
und ihre Ordnung von ihrem Ursprung her aufzuhellen und zu erklären.
In der Antike diente dazu der Mythos. Im Judentum, Christentum und Islam
bezeichnet Schöpfung die Erschaffung alles Seienden aus dem Nichts
durch das allmächtige Wort Gottes. Die christliche Schöpfungslehre
gründet sich auf die beiden in Einzelheiten sehr unterschiedlichen
"Schöpfungsberichte" des Alten Testaments Die Welt ist im Alten Testament
nicht göttlich, sondern der Herrschaftsbezirk des Menschen. Die göttliche
Herkunft der Welt schließt für Israel und das Christentum naturwissenschaftliche
Erklärungsversuche nicht aus, widerspricht aber jedem Versuch einer
Vergötzung der Schöpfung. Die Lehre von der Schöpfung hat
in der katholischen Dogmatik besondere Akzente, denen gegenüber die
evangelische Auffassung die wesensmäßige Selbständigkeit
Gottes gegenüber der Schöpfung und die Abhängigkeit der
Schöpfung von Gott betont.
Ein Schöpfungsmythos ist eine zumeist theologische oder religiöse
Erklärung zur Entstehung der Welt und des Universums. Manchmal wird
in Schöpfungsmythen auch der Ursprung des Menschen und sein Stand
in der Welt durch den Mythos begründet.
Bekannte Schöpfungsmythen
1. Archaische Mythen
2. Babylonischer Schöpfungsmythos
3. Ägyptische Mythen
4. Zarathustra-Mythos
5. Germanische Schöpfungsgeschichte
6. Griechische Mythologie
7. Biblische Schöpfungsmythen
Genesis 1,1-2,4a Hier wird in stark formalisierter Sprache das bekannte
Sieben-Tage-Schöpfungswerk beschrieben. Am Anfang eines jeden Tages
steht das Wort Gottes, gefolgt von der Bestätigung "und es geschah
so". Gott betrachtet sein "Tageswerk" und "sah, dass es gut war". Am Ende
des Tages wird aus "Abend und Morgen" der nächste Tag.
Direkt auf die erste Version folgt eine zweite:
Genesis 2,4b-25 "Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel
machte." Die einzelnen Schöpfungstaten folgen in anderer Anordnung.
Jetzt ist die Erde zunächst trocken, eine unfruchtbare Steppe. Gott
erschafft zuerst die Menschen, dann die Pflanzen. Die zweite Schöpfungsgeschichte
mündet in die Erzählung vom Garten Eden.
Beide Überlieferungen geben gemeinsame Grundgedanken - Prinzip
Schöpfung - wieder -etwa:
o Wurde die Welt erschaffen, oder war sie schon immer da?
o Ist der Schöpfer nur Ursprung (Deismus), oder begleitet er die
Welt handelnd weiter (Theismus)?
o Existierte vor der Schöpfung bereits so etwas wie Materie, die
durch den Schöpfer geformt wurde, oder hat der Schöpfer alles
(Materie, Form und Raum) erschaffen?
o Ist die Schöpfung mit dem Schöpfer identisch (Pantheismus,
Panentheismus)?
o Wenn es eine Schöpfung gibt - was ist ihr Ziel
Marxistische Theorie: Die Evolution, die Entwicklung von Natur und Gesellschaft, die Ökonomie entwickeln sich gesetzmässig, also unabhängig vom Bewusstsein der Menschen von Niederen zum Höheren.
2.3. Thermodynamik Die Thermodynamik ist eine rein makroskopische
Theorie, die davon ausgeht, dass sich die physikalischen Eigenschaften
eines Systems hinreichend gut mit makroskopischen Zustandsgrößen
beschreiben lassen.
Dabei werden intensive Zustandsgrößen (wie Temperatur T,
Druck p und chemisches Potential µ) von extensiven (wie inneren Energie
U, Entropie S, Volumen V und Teilchenzahl N) unterschieden.
Die Arbeit W und die Wärme Q sind keine Zustandsgrößen,
da sie das System nicht in eindeutiger Weise zu einem festen Zeitpunkt
charakterisieren.
Die Gleichungen, die konkrete Zusammenhänge zwischen den Zustandsgrößen
für spezielle physikalische Systeme (z.B. ideales Gas) liefern, heißen
Zustandsgleichungen.
Die Thermodynamik kann vollständig auf vier Axiome, den vier Hauptsätzen,
aufgebaut werden. Diese Axiome sind in ihrer ursprünglichen Formulierung
- entsprechend ihrer Entstehung (sie beruhen auf einer großen Anzahl
an konkreten Beobachtungen) - reine Erfahrungssätze.
Nullter Hauptsatz Wenn ein System A sich mit einem System B sowie B sich mit einem System C im thermischen Gleichgewicht befinden, so befindet sich auch A mit C im thermischen Gleichgewicht.
Erster Hauptsatz Der Erste Hauptsatz der Thermodynamik ist der Satz der Energieerhaltung: Jedes System besitzt eine extensive Zustandsgröße innere Energie U. Diese kann sich nur durch den Transport von Energie in Form von Arbeit (dW) und Wärme (dQ) über die Grenze des Systems ändern,
Zweiter Hauptsatz Der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt,
dass es eine extensive Zustandsgröße Entropie S gibt, die in
einem abgeschlossenen System niemals abnimmt
Statistische Interpretation Die statistische Interpretation des
Zweiten Hauptsatzes ist: ein abgeschlossenes System, sich selbst überlassen,
wird immer den Zustand größter Unordnung anstreben.
Der Dritte Hauptsatz wird auch mit "Unerreichbarkeit des absoluten Nullpunktes"
beschrieben. Mit der Entropie geht nämlich auch die Wärmekapazität
gegen 0 was bedeutet, dass immer größere Energiemengen aufgewendet
werden müssen, um die Temperatur zu erniedrigen.
Eine andere Formulierung des Dritten Hauptsatz besagt, dass die Entropie
im Falle einer Temperatur beliebig nahe Null gegen einen festen Grenzwert
S0 strebt:
Zusammenfassung
1. Hauptsatz: Man kann weder Energie gewinnen, noch verlieren.
2. Hauptsatz: Es gibt keine Maschine, die Wärme vollständig
in andere Energie umwandeln kann.
3. Hauptsatz: Der absolute Nullpunkt der Temperatur ist unerreichbar.
Entropie, anders gesagt von R. Clausius eingeführte Rechengröße, die in der Wärmelehre den Zustand eines Systems (Gas oder Flüssigkeit) charakterisiert. Nach dem 2. Hauptsatz der Wärmelehre kann die Entropie bei Zustandsänderungen des Systems nicht abnehmen (Entropiesatz), z. B. kann mechanische Arbeit zwar vollständig in Wärme, nicht aber Wärme vollständig in mechanische Arbeit umgewandelt werden. L. Boltzmann erkannte, dass der Entropiesatz gleichbedeutend ist mit folgender Wahrscheinlichkeitsaussage: Die auf die einzelnen Moleküle eines Körpers verteilte Bewegungsenergie geht stets von einem weniger wahrscheinlichen Verteilungszustand in einen wahrscheinlicheren über, nicht aber umgekehrt. Sind z. B. alle Luftmoleküle zu Anfang in einer Ecke eines Zimmers, so verteilen sie sich gleichmäßig in diesem Zimmer: die Entropie nimmt zu. Es ist jedoch praktisch ausgeschlossen, dass umgekehrt die gleichmäßig verteilten Moleküle sich einmal alle in einer Zimmerecke ansammeln. - Der Begriff der Entropie spielt auch in der Informationstheorie eine wichtige Rolle.
2.4. Gottesbeweise Als Gottesbeweise werden Versuche bezeichnet,
die Existenz Gottes zu beweisen (oder zumindest Indizien dafür zu
finden).
Die heutige Einschätzung der Gottesbeweise beruht weitgehend auf
Immanuel Kants
Schlussfolgerung von der Ungültigkeit der meisten Arten von Gottesbeweisen
speziell auch der im Mittelalter vorherrschenden scholastischen Gottesbeweise
und der Unmöglichkeit speziell von ontologischen Gottesbeweisen. Trotz
dieser Kritik Kants werden scholatische Gottesbeweise auch in heutiger
Zeit von Neuscholastikern innerhalb der Natürlichen Theologie weiterhin
vertreten; sehr konservative Kreise (z.B. Opus Dei) halten sogar weitgehend
an der urprüngliche Scholastik fest. Demgegenüber greifen moderne
Philosophen, beispielsweise J.L.Mackie, Kants Kritik auf und stellen sie
auf eine neue Basis innerhalb der Analytischen Philosophie, während
von einigen Philosophen, wie etwa A. Plantinga, eine neue Formulierung
des ontologischen Gottesbeweises versucht wurde. Neben dem Versuch, die
Existenz Gottes zu beweisen, gab es auch Versuche, die Existenz Gottes
zu widerlegen (z.B. Ludwig Feuerbach).
In der vorchristlichen Antike und im christlichen Mittelalter spielten
Gottesbeweise für das Leben der Gläubigen selbst keine Rolle.
Die Existenz von Göttern, oder eines Gottes, war in den frühen
staatlichen Gesellschaften meist zusammen mit der jeweiligen Staatsreligion
doktrinär festgeschrieben, und Infragestellung wurde oft als Gottlosigkeit
oder Atheismus mit erheblichen Sanktionen belegt. Die theoretischen Überlegungen
sollten zu dieser Zeit lediglich die vorhandene Grundüberzeugungen
stützen. Ein starkes Motiv für das Aufstellen scholastischer
Gottesbeweise im Mittelalter war die Bekehrung von Heiden. In rein heidnischen
Gesellschaften konnte zunächst weder staatlicher Druck angewendet
werden und auch die Bibel war noch nicht als unumstössliche Wahrheit
anerkannt, so dass auch nicht doktrinär argumentiert werden konnte.
Deswegen mussten andere Wege beschritten werden, um die Menschen zum christlichen
Glauben zu führen, wozu auch gerade scholastische Gottesbeweise dienen
sollten. Die eigentliche Zeit der Gottesbeweise war die Frühe Neuzeit
und die deutsche Aufklärung. Für deistische Aufklärer sollten
die Gottesbeweise eine auf der Vernunft basierende Religion etablieren,
welche ohne jegliche Offenbarungselemente auskäme. Mit der einflussreichen
Kritik I.Kants an den Gottesbeweisen und dem Entstehen einer säkularisierenden
und säkularisierten Gesellschaft nahm die Bedeutung der Gottesbeweise
allgemein ab, gewannen aber jetzt eine grössere Bedeutung für
religiöse gläubige Kreise selbst und wurde auch zu einer eigenständigen
philosophischen Disziplin, der Natürlichen Theologie.
3.0. Diskussion
Ich denke es ist nichts bewiesen, eine Theorie nach der anderen.
Wo war der Anfang, wo das Ende. Wo fangen wir an zu denken, wo und
wie kann man nur noch glauben? Naturwissenschaftliche Klarheiten, Gesetze
bewiesen, mathematisch logisch, durch Experiment vielfach bewiesen.
Aber war der Anfang der Urknall, Materie entsteht aus Energie?
War der Anfang der Fingerzeig, das Schnipsen mit den Fingern eines
höheren Wesens?
Was wissen wir, was glauben wir?
Zwei Dinge halte ich aus naturwissenschaftlicher Sicht bewiesen
o Einmal aus dem Entropiegesetz, alles strebt einer höheren Unordnung
zu. Eine Ordnung herzustellen ist nach der Entropie nicht möglich
- ein Gottesbeweis, ein Beweis der Schöpfung, vielleicht eine gelenkte
Evolution?
o Zweitens nach den Gesetzen der biologischen Evolution, den Wundern
der lebenden Natur, der genetischen Ähnlichkeit auch von niederen
Tierarten mit denen der Menschen, also der Leitfaden, die fast unveränderliche
DNA für die Entwicklung des Lebens auf der Erde in Millionen Jahren
kann das nach meiner Ansicht nicht natürlich, also von alleine, ohne
Schöpfung, entstanden sein.
Was sagt der Theologe Wolf Krötke dazu?
Die Evolution bringt vielmehr einen grossen Reichtum von Arten hervor,
die miteinander existieren können, sofern ihre biologische Ausrüstung
sie in einem bestimmten Lebensraum überlebensfähig macht. ......
die Vorstellung allerdings, durch Übung erworbene Eigenschaften könnten
vererbt werden, scheidet aus. Der Marxismus hat die Ansicht Lamarcks noch
einmal beweisen wollen, weil die gesellschaftliche Umwelt als entscheidende
Triebkraft des Lebens verstand.
Das Argument für das anthropische Prinzip ist, dass die Summe
der Zufälle, die es zum menschlichen Leben haben kommen lassen, sich
für unseren Verstand nicht als Zufall darstellt.
Zum *Bild Gottes* können die Aussagen über den Menschen als
gottebenbildliches Geschöpf nur gemacht werden, indem Menschen ihr
Dasein, wie sie es gegenwärtig wahrnehmen, im Lichte des Glaubens
an den Schöpfer sehen.
Insofern begründet das Verständnis des Menschen als Gottes
Ebenbild die spezifisch christliche Anschauung von der Würde des Menschen.
3.0. Neue Fragen Was beschäftigt uns heute?
Die Frage des seit 800 Jahren diskutierten freien Willens unter Beachtung
neuer Gehirnuntersuchungen, die "Neuro-Theologie". Gibt es ein Gottes-Gen?
Bekommen Autogenes Training, das Versinken in ein Gebet, das tiefe
Meditieren, die Hypnose eine neue wissenschaftliche Dimension?
Wie viel liegt in den Genen, wie viel Einfluss hat die Erziehung, das
soziale Umfeld?
Katastrophenszenarien, Klimawandel nach wärmer oder kälter
Alles eine Frage der Messtechnik, der Statistik, der Datenverarbeitung,
der Analytik, ja selbst falscher Prozentrechnung?
Die Macht der Presse. Die Skandalisierung, das Promoten, nicht nur
von Schauspielern u.a., sondern auch von wissenschaftlichen Ergebnissen
Personifizierung von Wirtschaft und Finanzen, als Beispiel der DAX-
(ein neuer Gott?)
Dem Dax fehlt zum Wochenausklang die Orientierung -- Dax und MDax könnten
Jahreshochs ausbauen -- Etwas leichterer Dax erwartet -- Dax in der Defensive
-- Dax begrüßt die neue Woche mit kleineren Gewinnen -- Mit
einer freundlichen Tendenz wartet der Dax am Montag mittag auf -- Der Dax
hat das Potential für weitere Gewinne -- Dax & Co. dürften
nach oben schauen -- Dax sucht seine Richtung -- Dax vermutlich ohne großen
Elan -- Dax & Co. können Anfangsgewinne nicht verteidigen
Eine Antwort: Keiner kann nachweisen, ob es einen oder unseren Gott
gibt. Logisch ist, es gibt so viele Unwahrscheinlichkeiten und Wahrscheinlichkeiten
für seine Existenz. Aber danach muss man nicht Fragen, man kann, man
darf, nein man sollte an Gott glauben, das grenzenlose unbekannte Bekannte.
Darum:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer
des Himmels und der Erde.
Martin Luther: Was ist das?
Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen............
4.0. Literatur
www.wissen.de
http://de.wikipedia.org
http://www.genesisnet.info/
http://www-users.rwth-aachen.de/gunter.heim/
http://www.dittmar-online.net/atheismus/save2.html
http://www.jesuslebt.de/seiten/jesus_lebt/fragen/mutschler.htm
Wolf Kröttke; Erschaffen und erforscht. Mensch und Universum in
Theologie und Naturwissenschaft
Der Spiegel - Sonderausgabe "Die Entschlüsselung des Gehirns"
Anlage: Ist Gott weiblich?
In der Mecklenburgischen Kirchenzeitung 38/vom 23.09.2001 fand ich
nachfolgende köstliche Geschichte:
Frauengeheimnis
Eines Tages im Garten Eden sagte Eva zu Gott: ,,Ich habe ein Problem."
,,Was ist das Problem Eva'?"
,,Gott ich weiß, dass du mich erschaffen hast, mir diesen wunderschönen
Garten und all diese fabelhaften Tiere und mir diese zum totlachen. komische
Schlange zur Seite gestellt hast, aber ich bin einfach nicht glücklich.
Gott, ich bin einsam und kann Äpfel einfach nicht mehr sehen."
,,Na gut, Eva, in diesem Fall habe ich eine Lösung für dein
Problem. Ich werde für dich einen Mann erschaffen und ihn dir zur
Seite stellen!"
,,Was ist ein Mann, Gott?"
,,Dieser Mann wird eine Kreatur sein, mit vielen Fehlern und schlechten
Charakterzügen, er wird lügen, dich betrügen und unglaublich
eitel und eingebildet sein. Im Großen und Ganzen wird er dir das
Leben schwer machen, aber er wird größer, stärker und schneller
sein und er wird es lieben zu jagen und Dinge zu töten. Er wird dümmlich
aussehen, wenn er erregt ist, aber da du dich ja beschwert hast, werde
ich ihn derart beschaffen, dass er deine körperlichen Bedürfnisse
befriedigen kann. Er wird witzlos sein und solch kindischen Dinge, wie
kämpfen und einen Ball herumkicken über alles lieben. Er wird
auch nicht viel Verstand haben, so dass er deinen Rat brauchen wird, um
vernünftig zu denken."
,,Klingt ja. umwerfend", sagte Eva und zog dabei die eine Augenbraue
ironisch hoch. ,,Wo ist der Haken, Gott?"
,,Also ..... du kannst ihn unter einer Bedingung haben."
,,Welche Bedingung ist das, Gott?"
,,Wie ich schon sagte, er wird stolz und arrogant sein und sich selbst
stets am meisten bewundern ... Du wirst ihn daher in dem Glauben
lassen müssen, dass ich ihn zuerst geschaffen hätte.
Denk daran, das ist unser kleines Geheimnis ..... Du weißt schon,
von FRAU zu FRAU!!!"
3.2.05 Referentin: Imke Schnadt
Die "Gottesbeweise"
Gliederung
I. Überblick
II. zwei Gottesbeweise
III. zwei Kritiker
IV. Diskussion, Fragen, Anregungen, ...
V. Literatur
I. Überblick
Kurzer Überblick über die "Geschichte" der Gottesbeweise:
Der Gedanke des Gottesbeweises geht zurück bis auf Platon und
Aristoteles. Ansätze im Christentum finden sich bei Augustin. Im Mittelalter
werden die Gottesbeweise durch Thomas von Aquin systematisiert (wobei dieser
auch vorhandene Gedanken aus jüdischer und islamischer Tradition aufgreift),
dann in der Neuzeit im Anschluss an Anselm von Canterburys ontologisches
Argument von Descartes, Spinoza, Leibniz, Wolff, neu durchdacht. Kant verwirft
alle bestehenden Beweise als nicht tragbar und setzt an ihre Stelle ein
moralisches Postulat. Später beschäftigen sich unter vielen anderen
auch Fichte, Hegel oder z.B. die Neuthomisten auf unterschiedliche Art
mit den Gottesbeweisen.
Seit Kant unterscheidet man vier Arten von Gottesbeweisen:
? Der kosmologische Gottesbeweis geht aus von Phänomenen der Bewegung,
Veränderung, Verursachung in der äußeren Erfahrungswelt
und schließt dann mit Hilfe des Kausalitätsprinzips
( = alles hat eine Ursache) auf eine erste Ursache.
( ( Gott als Wirkursache)
Bsp.: Aristoteles, Aquin
? Der teleologische / pysiotheologische Gottesbeweis geht aus von der
Ordnung, Zweckmäßigkeit, Zielstrebigkeit alles Naturgeschehens
und schließt dann mit Hilfe des Finalitätsprinzips ( = Annahme
einer intendierten Zielgerichtetheit, Ausschluss purer Zufälligkeit)
auf einen Weltordner / Weltschöpfer bzw. auf ein höchstes Ziel.
( ( Gott als Weltenordner / Finalursache)
? Der ontologische Gottesbeweis geht aus von einem (jedem Menschen
innewohnenden) Begriff Gottes als vollkommenstes, notwendiges Wesen und
schließt dann - ohne Rückgriff auf empirische Erfahrung ( =
a priori) - auf die Existenz dieses Wesens, da diese zur Vollkommenheit
bzw. Notwendigkeit zwingend dazugehört.
Bsp.: Anselm, Descartes
? Der moralische Gottesbeweis geht aus von der Notwendigkeit, die (unbedingt
gebotene) Sittlichkeit und das Glückseligkeitsstreben des Menschen
zur Übereinstimmung zu bringen, Gott wird dann als moralisch notwendig
postuliert (durch die Existenz Gottes wird das absolut Gute möglich).
Bsp.: Kant
Anmerkung: Oft ist das Ziel der Gottesbeweise nicht, einem Zweifler
Gott "naturwissenschaftlich" zu beweisen, sondern Gott (an den man glaubt)
mit Hilfe des Verstandes erklären zu können.
II. zwei Gottesbeweise
Anselm von Canterbury
Also Herr, der du dem Glauben Einsicht schenkest, laß mich, so
weit du es für gut hältst, einsehen, daß du Sein hast,
so wie wir es glauben, und daß du da bist, was wir glauben! Wir glauben
aber, du bist "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar
ist" [aliquid quo nihil maius cogitari possit]. Oder hat vielleicht ein
solches Wesen kein Sein, da "der Tor in seinem Herzen spricht: Gott ist
nicht" [Psalm 14,1]? Aber wenn eben dieser Tor hört, was ich sage:
"Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", so
versteht er, was er hört; und was er versteht, das hat Sein in seinem
Geiste, auch wenn er nicht einsieht, daß es ist. Denn es ist etwas
anderes, wenn eine Sache im Geiste Sein hat, und etwas anderes, erkennen,
daß sie ist. Wenn ein Maler vorher überlegt, was er malen wird,
so trägt er es zwar in seinem Geiste; aber er erkennt noch nicht,
daß es ist, weil er es noch nicht gemalt hat. Hat er das Bild gemalt,
so hat er es im Geiste und er erkennt auch, daß sein Werk ist. Also
wird auch der Tor überführt, daß "Etwas, im Vergleich zu
dem ein Größeres undenkbar ist", im Geiste Sein hat, weil er
versteht, was er hört, und was man versteht, hat Sein im Geiste. Nun
kann aber "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar
ist", nicht nur im Geiste Sein haben. Denn wenn es nur im Geiste Sein hat,
kann es als noch größer gedacht werden: daß es nämlich
auch in der Wirklichkeit ist. Wenn also "Etwas, im Vergleich zu dem ein
Größeres undenkbar ist", nur im Geiste Sein hat, ist "das, im
Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", selbst "Etwas,
im Vergleich zu dem ein Größeres denkbar ist". Das aber kann
sicher nicht sein. Also hat "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres
undenkbar ist", im Geiste [in intellectu] Sein und auch in der Wirklichkeit
[in re].
Dieses Sein kommt ihm so wahrhaft zu, daß sein Nichtsein undenkbar
ist. Mann kann sich gewiß ein Ding, dessen Nichtsein undenkbar ist,
vorstellen. Das ist größer als ein Ding, dessen Nichtsein denkbar
ist. Wenn also das Nichtsein dessen, im Vergleich zu dem ein Größeres
undenkbar ist, denkbar ist, dann ist dieses "Etwas, im Vergleich zu dem
ein Größeres undenkbar ist", nicht "Etwas, im Vergleich zu dem
ein Größeres undenkbar ist". Das ist unmöglich. "Etwas,
im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", hat demnach
so wahrhaft Sein, daß sein Nichtsein nicht einmal denkbar ist.
Und dieses bist du, Herr unser Gott! Du hast also, mein Herr und Gott,
so wahrhaft Sein, daß dein Nichtsein nicht einmal denkbar ist...
Anselm von Canterbury, Proslogion 2 und 3. Zitiert nach: Anselm Stolz,
Anselm von Canterbury, Kösel-Verlag, München 1937, S.57 f.
Thomas von Aquin
Die Existenz Gottes läßt sich auf fünf Wegen beweisen.
Der erste und nächstliegende Weg ist der, der sich aus der Bewegung
ergibt. Es ist nämlich gewiß und steht durch die sinnliche Wahrnehmung
fest, daß sich manches in dieser Welt bewegt. Alles aber, was sich
bewegt, wird durch anderes bewegt. Nichts nämlich wird bewegt außer
dadurch, daß es in potentia ist in bezug auf das, auf das hin es
bewegt wird, es bewegt aber etwas dadurch, daß es in actu ist. Bewegen
nämlich ist nichts anderes, als etwas aus der potentia [= Möglichkeit]
in den actus [= Wirklichkeit] überführen. Aus der potentia aber
kann nichts in den actus überführt werden, es sei denn durch
ein in actu Seiendes. Wie die Hitze in actu, z.B. das Feuer, das Holz,
das Hitze in potientia ist, zur Hitze in actu macht. Dadurch bewegt und
ändert sie es. Es ist aber nicht möglich, daß ein und dasselbe
gleichzeitig in bezug auf dasselbe in actu und in potentia ist, sondern
nur in bezug auf Verschiedenes, was nämlich Hitze in actu ist, kann
nicht zugleich Hitze in potentia sein, sondern es ist zugleich Kälte
in potentia. Es ist also unmöglich, daß in bezug auf dasselbe
und in derselben Weise etwas bewegt und bewegt wird, oder daß es
sich selbst bewegt. Also muß alles, was bewegt wird, von etwas anderem
bewegt werden. Wenn sich also das bewegt, von dem etwas anderes bewegt
wird so muß es selbst auch von etwas anderem bewegt werden, und das
wiederum von etwas anderem. Hier aber kann man nicht in infinitum fortschreiten,
weil dann nichts das erste Bewegende wäre, und demgemäß
wäre nichts da, was etwas anderes bewegen würde, da die nachfolgenden
Bewegenden nicht bewegen außer dadurch, daß sie durch das erste
Bewegende bewegt werden. Wie der Stab sich nicht bewegt außer dadurch,
daß er von der Hand bewegt wird. Daher ist es notwendig, zu einem
ersten Bewegenden [primum movens] zu kommen, welches von nichts bewegt
wird, und dieses erkennen alle als Gott.
Der zweite Weg ergibt sich aus dem Wesen der Wirkursache [causa efficiens].
Wir finden nämlich in jenen sinnlich wahrnehmbaren Dingen eine
Ordnung von Wirkursachen. Es läßt sich jedoch nicht finden und
ist nicht möglich, daß etwas die Wirkursache seiner selbst sei,
weil es ja dann früher als es selbst wäre, was unmöglich
ist. Es ist aber nicht möglich, bei den Wirkursachen in infinitum
fortzuschreiten, denn bei jeder Reihe von Wirkursachen ist das Erste die
Ursache des Mittleren, das Mittlere die Ursache des Letzten, seien die
Mittleren viele oder eins. Mit der Ursache fällt aber auch die Wirkung.
Wenn es also kein Erstes bei den Wirkursachen gäbe, gäbe es auch
nichts Letztes noch Mittleres. Aber wenn man mit den Wirkursachen in infinitum
fortschritte, gäbe es keine erste Wirkursache und demgemäß
weder eine letzte Wirkung noch mittlere Wirkursachen, was offensichtlich
falsch ist. Also ist es notwendig, eine erste Wirkursache [prima causa
efficiens] zu setzen, die alle Gott nennen.
Der dritte Weg ergibt sich aus der Möglichkeit [possible] und
dem Notwendigen [necessarium], und zwar folgendermaßen: Wir finden
bei den Dingen nämlich einige, die die Möglichkeit haben zu sein
und nicht zu sein, denn man sieht, daß einige Dinge werden und vergehen
und deshalb sein können und nicht sein können. Es ist aber unmöglich,
daß alles, was so beschaffen ist, immer ist, weil das, was die Möglichkeit
hat, nicht zu sein, irgendwann einmal nicht ist. Wenn also alles die Möglichkeit
hat, nicht zu sein, ist bei den Dingen irgendwann einmal nichts gewesen.
Wenn das wahr ist, wäre auch jetzt nichts, denn was nicht ist, fängt
nicht an zu sein außer durch etwas, was ist. Wenn also nichts seiend
gewesen ist, ist es unmöglich gewesen, daß etwas zu sein angefangen
hat, und auf diese Weise wäre nichts, was offensichtlich falsch ist.
Also ist nicht alles Sein [nur] möglich, sondern es muß unter
den Dingen etwas geben, was notwendig ist. Alles Notwendige aber hat die
Ursache seiner Notwendigkeit von woanders her, oder es hat keine. Es ist
aber nicht möglich, bei dem Notwendigen, das eine Ursache seiner Notwendigkeit
hat, in infinitum fortzuschreiten, wie man das auch nicht - wie bewiesen
- bei den Wirkursachen kann. Es ist also notwendig, etwas zu setzen, was
aus sich heraus notwendig ist [per se necessarium], was die Ursache seiner
Notwendigkeit nicht von woanders her hat, sondern was die Ursache der Notwendigkeit
für anderes ist. Das nennen alle Gott.
Der vierte Weg ergibt sich aus den Seinsstufen [ex gradibus], die in
den Dingen zu finden sind. Es findet sich nämlich in den Dingen etwas
mehr und etwas weniger Gutes, Wahres, Edles, usw. Aber "mehr" und "weniger"
wird über Verschiedenes gesagt in Hinblick darauf, daß es sich
auf verschiedene Weise einem Maximalen nähert. So wie dasjenige wärmer
ist, das sich mehr dem maximal Warmen nähert. Es gibt also etwas,
was das Wahrste, das Beste, das Edelste und demnach das Seiendste [maxime
ens] ist. Denn was das Wahrste ist, ist das Seiendste, wie in der II. Metaphysik
[des Aristoteles] gesagt wird. Was aber das so beschaffene Maximum in irgendeiner
Art genannt wird, ist die Ursache von allem, was in dieser Art ist; wie
das Feuer, das die maximale Wärme ist, die Ursache aller Wärme
ist - wie in demselben Buch gesagt wird. Also gibt es etwas, was für
alles Seiende die Ursache des Seins [causa esse] und des Gutseins [bonitas]
und jedweder Vollkommenheit ist, und das nennen wir Gott.
Der fünfte Weg ergibt sich aus der Lenkung der Dinge [gubernatio].
Wir sehen nämlich, daß einiges, was der Erkenntnis entbehrt
- nämlich die natürlichen Körper - auf ein Ziel hin handelt;
das erhellt daraus, daß sie immer oder häufiger auf dieselbe
Weise handeln, weil sie dem folgen, was das Beste ist. Deshalb ist es offenbar,
daß sie nicht aus Zufall, sondern durch eine Absicht zum Ziel gelangen.
Diejenigen aber, die keine Erkenntnis haben, streben zum Ziel nur, indem
sie von einem Erkennenden und mit Verstand Begabten geführt werden
wie der Pfeil vom Bogenschützen. Also gibt es etwas, was Verstand
hat [aliquid intelligens], durch das alle natürlichen Dinge zum Ziel
hingeordnet werden, und das nennen wir Gott.
aus: Thomas von Aquino, Summa Theologiae, Editio altera emendata, Ottawa/Canada
1953, Thomus I, Pag. 13b-14b. Übersetzung: Brigitte Galling. Entnommen:
Göttinger Quellenhefte, Heft 1: Gottesbeweise und ihre Kritik (bearbeitet
von H.-D. Matschke), Göttingen [o. J.], S.4-6.
III. zwei Kritiker
Gaunilo
(6) Ein Beispiel: Man erzählt sich, irgendwo im Ozean gebe es
eine Insel, die einige wegen der Schwierigkeit oder vielmehr Unmöglichkeit,
das was nicht existiert, aufzufinden, ergänzend verschwundene Insel
nennen und die, so geht die Sage, noch weit mehr, als es von den Inseln
der Glückseligen berichtet wird, unermeßlich reich sei an lauter
kostbaren Gütern und Annehmlichkeiten, niemandem gehöre, von
keinem bewohnt werde und alle anderen bewohnten Länder durch ein Übermaß
an Besitztümern allenthalben übertreffe. Daß dies so sei,
könnte mir jemand sagen, und ich vermöchte diese Rede, die ja
keine Schwierigkeiten aufweist, ohne weiteres zu verstehen. Wenn er dann
aber, als ergäbe sich dies folgerecht, mit der Zusatzbehauptung
fortführe: Du kannst nun nicht mehr daran zweifeln, daß diese
unter allen Ländern vortrefflichste Insel wahrhaft irgendwo in Wirklichkeit
existiert, steht es doch außer Zweifel, daß sie auch in deinem
Verstande ist; und weil es vortrefflicher ist, nicht allein im Verstande,
sondern auch in Wirklichkeit zu sein, deshalb existiert sie notwendig so,
denn wenn das nicht der Fall wäre, wäre jedes andere Land, das
in Wirklichkeit existiert, vortrefflicher als sie, und so wäre sie,
obwohl von dir bereits als unter allen Ländern vortrefflichstes verstanden,
nicht das vortrefflichste - wenn er, so sage ich, mir dadurch einreden
wollte, an der wahrhaften Existenz dieser Insel dürfe nicht mehr gezweifelt
werden, nähme ich entweder an, er erlaube sich einen Scherz, oder
ich wäre unschlüssig, wen ich für törichter halten
sollte, mich, wenn ich ihm beipflichtete, oder ihn, wenn er glaubte, für
das wesentliche Sein dieser Insel auch nut irgendwie einen sicheren Beweis
erbracht zu haben, es sei denn, er hätte erst eben ihre Vortrefflichkeit
ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, daß es eine wahrhaft
und unzweifelhaft existierende Wirklichkeit ist, nachgewiesen, nicht jedoch
nur so, wie auch etwas Falsches oder Ungewisses in meinem Verstande ist.
aus: Gaunilo: Was ein Namenloser anstelle des Toren darauf erwidern
könnte [Quod ad haec respondeat quidam pro insipiente].
Kant
In seiner Kritik der reinen Vernunft schreibt Kant:
"Theoretisch können wir nicht wissen, daß er ist. Zwar können
und müssen wir wissen, als was Gott gedacht werden muß, da wir
ihn sonst nicht einmal vom Teufel unterscheiden könnten. Aber in reiner
Theorie vermögen wir nicht zu wissen, ob Gott ist."
Kant ist also der Meinung, dass Gottes Existenz nicht bewiesen werden
kann. Seine Gegenargumente sind die Ungültigkeit des Schlusses vom
Gedachten auf das Wirkliche, die Beschränkung der Vernunft auf die
Erscheinungswelt und die Unbegründbarkeit eines allgemeinen Kausalitiätsprinzips.
So argumentiert er beispielsweise im Bezug auf das ontologische Argument
folgendermaßen:
Die Vorstellung eines absolut vollkommenen, notwendigen Wesens ist
nach Kant möglich. Die Vollkommenheit fordert dann die Existenz (da
es sonst nicht vollkommen wäre). Wird die Existenz verneint, entsteht
ein Widerspruch (bis hier analog zum ontologischen Argument). - Aber: Hebe
ich sowohl das Subjekt (das vollkommene Wesen) als auch das Prädikat
(Existenz) auf, entsteht eben kein Widerspruch. Aus der Möglichkeit,
sich ein solches vollkommenes Wesen vorstellen zu können, muss also
nicht seine Existenz folgen, der ontologische Gottesbeweis ist somit ungültig.
Im Bezug auf den kosmologischen Gottesbeweis meint Kant, dieser sei
im Grunde nur eine Form des ontologischen Beweises in "pseudo-empirischem
Gewand" und somit ebenfalls ungültig. Weiterhin lässt sich der
kosmologische Beweis als Grundlage des teleologischen betrachten, d.h.
mit seiner Ungültigkeit verliert auch der teleologische Beweis seine
Gültigkeit.
Anstelle des Gottesbeweises der reinen Vernunft stellt Kant das Postulat
der praktischen Vernunft:
Der Mensch weiß, dass es moralisch richtig ist, "gut" zu handeln.
Die Befolgung des moralischen Gesetzes ist allerdings nicht immer der einfachste,
einsichtigste Weg. Der Mensch strebt außerdem nach Glückseligkeit.
Diese ist im (endlichen) Leben nicht erreichbar. Die Annahme der Existenz
Gottes löst diesen Konflikt: Durch Gott ist das Erreichen der Glückseligkeit
möglich, es ist also sinnvoll, das moralische Gesetz zu befolgen.
D.h. die Existenz Gottes ist ein notwendiges Bedürfnis der praktischen
Vernunft; moralisch ist es notwendig, dass Gott existiert.
IV. Diskussion, Fragen, Anregungen, ...
- Kann ein Beweis Gott beweisen?
- Gilt das Kausalitätsprinzip?
- Lassen sich das Weltbild, das in den Gottesbeweisen zum Ausdruck
kommt, und das Weltbild aus naturwissenschaftlicher Sicht vergleichen?
- Ist die menschliche Vernunft an den menschlichen Erfahrungshorizont
gebunden?
- Zur Zeit Thomas von Aquins gab es weder die Vorstellung negativer
Zahlen noch einen Unendlichkeitsbegriff in der Mathematik. Lassen sich
mit Hilfe der heutigen Vorstellung andere Schlüsse ziehen als Aquin
bzw. seine Kritiker sie zogen?
- Ist die Möglichkeit, eine Ursachenkette unendlich weit zurück
zu verfolgen, ein Widerspruch für die Existenz einer ersten Ursache?
- sehr zu empfehlen: "God Exists!" von Robert Meyer (leider auf englisch
und ohne math. Vorkenntnisse evt. nicht ganz einfach; Meyer konstruiert
"die Welt" so, dass - unter Annahme des Kausalitätsprinzips - die
Existenz einer ersten Ursache mathematisch bewiesen werden kann.)
V. Literatur
Theologische Realenzyklopädie: Gottesbeweise I - III
Anselm von Canterbury: Proslogion II und III (verschiedene Übersetzungen)
Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, Quaestio II (verschiedene Übersetzungen)
Gaunilo: Was ein Namenloser anstelle des Toren darauf erwidern könnte
(Quid ad haec respondeat quidam pro insipiente)
Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft; Leipzig, Verlag Philipp
Reclam jun., 1979; S. 650-658. Hans Küng: Existiert Gott?
Konzepte - Materialien für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe
II, Heft 2: Gott und Gottesbilder (Erarbeitet von Gebhard Neumüller
und Franz W. Niehl); Frankfurt am Main / München, Verlag Moritz Diesterweg
/ Kösel-Verlag, 1977.
Richard Heinzmann: Thomas von Aquin - eine Einführung in sein
Denken. Stuttgart Berlin Köln, Kohlhammer, 1994.
Robert K. Meyer (Australian National University): "God Exists!" aus
Philosophy and Phenomenological Research, Noûs Publications 1987.
Der christliche Glaube an Gott den Schöpfer (Thesen des Seminarleiters)
Der christliche Glaube an Gott den Schöpfer
1. Der christliche Glaube an Gott den Schöpfer setzt historisch
und sachlich den Glauben Israels voraus: Israels Glaube an Jahwe als Schöpfer
geht historisch der Glaube voraus, daß Jahwe sich Israel als sein
Volk erwählt hat, d.h. Israel gemacht (erschaffen, hebr. bara) hat.
Dieser Gott wird (historisch gesehen später) als der Gott aller Völker
bekannt, schließlich als Schöpfer, der alles Ñaus dem Nichtsì
(2 Makk) erschaffen hat. Der Glaube an Gott als Schöpfer ist dabei
Konsequenz des Glaubens an den einen Gott: Außer ihm kann es keine
andere vergleichbare selbständige Macht geben. Gott der Schöpfer
hat somit Macht über die Natur und über den Tod. Durch die Auferweckung
Jesu Christi beweist Gott seine Schöpfermacht. Die Quintessenz: Der
Schöpfer ist nicht die Schöpfung (Ansatz zur Entzauberung der
Welt).
2. Die christliche Gotteserfahrung (Gott als Vater, Sohn und Geist) verändert das philosophische (metaphysische) Gottesbild eines allmächtigen, ewigen und unsichtbaren Gottes: In Jesus macht Gott sich sichtbar, teilt er Zeit und Raum und erleidet er den Tod. Allmacht schließt Ohnmacht ein, Ewigkeit das Zeitliche. Gottes Geist macht Gott für den Glauben im Geschaffenen anwesend: in seinem Wort, der Verkündigung, in Brot und Wein als Christi Leib und Blut. Die Quintessenz: Der Schöpfer ist nicht die Schöpfung, aber in der Schöpfung gegenwärtig. M.a.W.: Gott ist in der Welt, ohne die Welt zu sein.
3. Die Gegenwart Gottes im Geschaffenen kann im Glauben erkannt werden: vgl. die theologische Lehre von den vestigia trinitatis. Können Menschen auch ohne ausdrücklichen Glauben an Gott zur Annahme eines Schöpfers gelangen?
3.1. Die Welt kann als ÇSchöpfungë gedacht werden: Sie läßt uns fragen: ÑWarum ist überhaupt etwas und nicht nichts?ì Alltagserfahrungen (genauer gesagt: Deutungen, Theorien zu Beobachtungen) wie die, das nichts ohne Grund geschieht, alles einen Anfang und ein Ende hat, usw. legen die Möglichkeit nahe, daß auch die Welt im Ganzen ihren Grund nicht in sich selbst hat: ÑVon nichts kommt nichts.ì
3.2. Die Welt muß aber nicht als ÇSchöpfungë gedacht werden: Die Frage nach einer Ursache kann entweder für unbeantwortbar erklärt werden (und darum besser für zu unterlassen) oder die ÇUrsacheë kann als weltimmanent gedacht werden: Dann ist die Welt Folge eines Zufalls und damit eines natürlichen Prozesses.
4. Das Modell naturwissenschaftlichen Denkens (Experiment und Theoriebildung, bzw. Beobachtung und Theoriebildung, die Entwicklung mathematischer Modelle) ist ein Aspekt menschlicher Welterfahrung, andere sind kulturell und/oder religiös überlieferte Denkmuster. Naturwissenschaftliches Denken praktiziert den sogenannten methodischen Atheismus: Gott ist kein Element der Theoriebildung. Wenn eine naturwissenschaftliche These über den Anfang der Welt von Gott spricht, ist sie nicht mehr naturwissenschaftlich. Wenn Naturwissenschaftler von Gott reden, dann als persönlich gläubige Menschen - oder sie verleihen wissenschaftlichen Theorien auf diese Weise eine Art religiöser Aura (was nicht mehr wissenschaftlich ist).
5. Die christliche (evangelische) Theologie ist eine hermeneutische Wissenschaft, die die Wahrheit der Bibel Alten und Neuen Testaments als erlösende Botschaft von der nahen Herrschaft Gottes in Jesus Christus identifiziert. [Das ist auch ihr - der Bibel entnommenes - Kriterium zur Auslegung der Heiligen Schrift.] Die Theologie dient der kirchlichen Verkündigung, die auf dem Markt religiöser Meinungen Gehör sucht und sich der Frage ausgesetzt sieht: Was haben wir von euch?
6. Auch die exakten (Natur-)Wissenschaften gründen letztlich in der (chaotischen) Alltagserfahrung und müssen, um verstanden, bewertet und kritisiert (auch finanziert) zu werden, sich Anfragen nichtwissenschaftlicher Art aussetzen: Was haben wir von euch?
7. Die Begegnung von Naturwissenschaft und Theologie findet auf diesem Feld der Alltags-, Diskussions- und Sinnkultur statt. Unmittelbar haben sie sich nichts zu sagen. Mittelbar, d.h. im gesellschaftlichen Diskurs, tragen sie zu je verschiedenen Antworten auf Menschheitsfragen bei: Was kann ich wissen, was darf ich hoffen, was soll ich tun? (Kant). Zwischen Naturwissenschaft und Theologie tritt Philosophie. M.a.W.: Wenn Naturwissenschaften und Theologie über ihre jeweiligen Grenzen gehen (philosophieren) (und auch die geisteswissenschaftlichen Grundlagen der Naturwissenschaften freigelegt werden), ist der Raum zum Dialog eröffnet.
8. Wie kann ich mit unterschiedlichen Antworten umgehen?
- Ich kann ihre Unterschiede als methodisch bedingt identifizieren.
- Ich kann (im Blick auf die Erfahrungen der Geschichte) Widersprüche
als vorläufig begreifen.
- Ich kann Widersprüche als Aspekte eines (selbst nicht zu begreifenden)
Ganzen denken (vgl. die Geschichte vom unbekannten Tier im Dorf der Blinden
und ihren Versuch, den Elefanten zu Ñbegreifenì).
9. Gott als Schöpfer ist - so gesehen - aus Sicht der Wissenschaft möglich, kann aber nicht gewußt werden (Agnostizismus). Der Glaubende hingegen weiß, was er glaubt. Er versteht seinen Glauben als einen zusätzlichen Aspekt der Wirklichkeit, der aber nicht additiv zu anderen Aspekten hinzutritt, sondern ihre Grundlage ist: Im Glauben erhält alles einen Bezug zu Gott (Das genau meint ja das Bekenntnis zu Gott als Schöpfer.).
10. Die Wahrheit des Glaubens kann vom naturwissenschaftlichen Denken nicht anerkannt werden. Zwar ist Glaube für die Wissenschaft eine Realität, er könnte aber auch falsch sein:eine Illusion, eine Projektion, ein Produkt der Lebensverhältnisse (ein Ergebnis der Evolution).
11. Aus spezifisch theologischer Sicht ist es nach dem Gesagten zunächst notwendig, naturwissenschaftliche Aussagen ideologiekritisch zu überprüfen: Ist eine bestimmte These/Theorie wirklich wissenschaftlich begründet oder selbst eine weltanschauliche Aussage?
M.a.W.: Man kann zwei entscheidende Fehler machen: 1. Man hält etwas für einen historischen Bericht, was aber im Sinn der Offenbarung gar kein historischer Bericht sein will (dazu gehört Gen 1), 2. Man hält etwas für Physik, was im Sinne der Methoden der Physik garnicht zur Physik gehört. (G. Ludwig)
12. Der christliche Glaube weiß zudem, seine Aussagen von Gott sind Ñähnlich bei immer noch größerer Unähnlichkeitì (klassisch: via eminentiae, via negativa, via analogiae), d.h.: Gott ist nicht auf unsere Bilder von ihm festzulegen, ohne daß Bilder verzichtbar wären. Legt er sich selbst fest (im Menschen Jesus), dann wissen wir allein im Glauben, daß dieser Mensch Ñeines Wesensì mit Gott ist. Wenn der Schöpfer im Bereich des Geschaffenen ist, sehen wir einen Menschen (Karl Rahner).
13. Weder im Rahmen eines philosophischen Realismus noch unkorrigierter Metaphysik kann der christliche Schöpfungsglaube gedacht werden: Der christliche Glaube versucht deshalb, ein ihm gemäßes Verständnis des menschlichen Denkens zu finden: Widersprüche gelten ihm nicht a priori als Beweis von Unwahrheit, sondern als mögliche Momente der einen Wahrheit. [Es fällt auf, daß extreme Atheisten und Kreationisten sich in ihren Denkformen ähneln: Was wahr sein will, muß Ñwirklichì passiert sein, wobei Wirklichkeit als beobachtbar (quasi photographisch zugänglich) gilt.]
14. Setzen wir erkenntniskritisch an beim Staunen über die Wirklichkeit von Erkenntnis und suchen wir nach ihrer Möglichkeit, stellen wir fest, daß das Denken nur denkend bedacht werden kann: Sprachlichkeit allen Wissens, vgl. Gadamer: Denken als Verschmelzung von Erkenntnishorizonten (Kreisen, Blasen) Wirklich ist das, Ñwas wirktì. Wie Gedanken real sind, so auch der (christliche) Glaube. Ob solcher Glaube nun wahr oder eine Illusion ist, kann wissenschaftlich nicht entschieden werden. Es gibt keinen neutralen Standpunkt, der aus Sicht des Glaubens nicht ideologieverdächtig wäre (civil religion). Empirisch beobachtbar (lokalisierbar und manipulierbar) sind lediglich Hirnfunktionen.
15. Der Glaube versteht sich durch den Hinweis auf die ihn physisch, insbesondere evolutionsbiologisch ermöglichenden Hirnfunktionen, nicht Ñdurchschautì, sondern weiß gerade im Glauben an den Schöpfer, daß er nicht ohne das Geschaffene sein kann: Ich bin auch mein Körper. Der macht mich nicht unfrei, sondern frei. Unfrei bin ich also nicht, wenn physikalisch-neurologische Vorgänge wissenschaftlich aufgeklärt werden - sondern erst, wenn diese manipuliert werden: ÑVergewaltigungì durch Ausüben eines neurologischen Reizes. Freiheit ist das Sichwiederfinden im anderen.
16. Der Glaube an Gott ist wissenschaftlich verstanden ein (möglicherweise unwahrer) Aspekt unter anderen, die Welt zu verstehen; christlich verstanden aber ist er nicht bloß ein zusätzlicher Aspekt (unter anderen), sondern läßt uns die Welt erst als ÑSchöpfungì verstehen, d.h. daß die Welt ungeachtet der (jeweiligen) Wahrheit und Vielfalt (natur-)wissenschaftlicher Theorien über ihre Entstehung und die physikalischen, kosmologischen und biologischen Prozesse und Ñin, mit und unterì deren Geltung und Freiheit einen Grund hat, der zudem in einem Geschöpf (Jesus Christus) und in der menschlichen Bezugnahme auf ihn (dem Glauben) im Geschaffenen so anwesend ist, daß Gott dem Geschaffenen gegenüber bleibt. Der Glaube weiß sich erst in der Rückwendung zu Gott als frei (Erlösung) und versteht diese Befreiung und den Glauben daran als von Gott selbst bewirkt.
17. Anthropologisch heißt das, daß der (christliche) Glaube den Menschen deshalb zwar als (wissenschaftlich erforschbaren) Teil der Welt versteht, zugleich aber in der Abhängigkeit von einer Instanz (und Verantwortung vor ihr), die nicht identisch ist mit der Welt: Die Ñnennen alle Gott.ì (Thomas von Aquin)
18. Auf naturwissenschaftliche und philosophische Fragestellungen wie die nach Zufall oder Notwendigkeit angewendet, kann der Begriff des in der Welt der Welt nicht unterworfenen Gottes zu der Vorstellung führen, daß Gott nicht weniger über Naturgesetze als über deren Durchbrechung, Unerkennbarkeit oder Unerklärbares (oder den sogenannten Zufall, der teilweise statistischer Beschreibbarkeit zugänglich ist) wirkt.
Eine menschliche ÑFreiheitì besteht für den christlichen Glauben nicht im Gegensatz zu Naturgesetzen (und psychischen Mechanismen), schon gar nicht in der Verneinung Gottes, sondern nur im Glauben an Gott: Der Glaubende weiß, daß der Menschen nicht den weltlichen Zwängen und auch nicht sich selbst ausgeliefert ist.
19. Die Theologie sollte naturwissenschaftliche Erkenntnisse als Anfrage verstehen. Sie dienen u.a. auch der Klärung der Bedingtheit des jeweiligen eigenen zeitbedingten Verständnisses von Gott und Glaube:
20. Für die Auslegung der Bibel heißt das: Der Glaube an Gott den Schöpfer ist nicht abhängig vom altorientalischen Weltbild: Die 7-Tage-Woche bekennt den Schöpfungsglauben Israels im Horizont damaliger Problemstellungen. Gedankenexperiment: Hätte sich dieser Glaube damals (oder vor 1000 Jahren) mit den Mitteln des heutigen Weltbildes überhaupt verständlich verkünden lassen?
21. Will die Theologie das altorientalische Weltbild nicht bloß konservieren, sondern den Glauben an Gott als den Ñmitlaufenden Ursprungì (Zenger) im Rahmen heutigen Weltbildes denken, ist die Theorie des Urknalls besonders deshalb geeignet, da die bekannten physikalischen Gesetze erst mit Ablauf der Planckzeit zutreffen. Es gibt also einen Zeitraum, der sich dem Erkennen entzieht. Obendrein ist der Physik (zumindest gegenwärtig) deutlich, daß Antworten auf die Frage ÑWas war vor dem Urknall?ì keine naturwissenschaftlichen Aussagen mehr sind.
22. Das evolutive Weltbild läßt Raum für den traditionellen Gedanken einer creatio continua, die bisher angenommenen Faktoren der Evolution (Selektion, Anpassung, Extinktion) treten jedoch in Spannung mit gewohnten christlichen Idealen. Es bleibt zurückzufragen, ob das evolutive Weltbild nicht um andere Evolutionsfaktoren zu bereichern wäre (Sozialität, Religiosität). Für das christliche Selbstverständnis hilfreich und zur partiellen Korrektur Anlaß geben mag der Hinweis auf in den Hintergrund getretene biblische Zeugnisse: Wirken Gottes durch massiven Tod (Sintflut) und Einzelereignisse (Vernichtung Sodoms und der Rotte Korah, Siege Israels über feindliche Völker), die erkennen lassen, daß der biblische Gott auch Tod bringt. Das Gottesbild eines Gottes der Liebe darf solche Zeugnisse nicht ausklammern und unbearbeitet lassen.
23. (Religions-)Philosophisch ist eine Theorie des Unbedingten möglich:
Das Denken analysiert - immer nur in Sprache mögliche - Erfahrungen
und erkennt einen Unterschied von Realität und Gedanken. M.a.W.: Wir
sagen manchmal Çseinë und manchmal Çnicht seinë. Beides soll gelten. Es
gibt also eine Wirklichkeit, die diese Alternative (Sein oder Nichtsein)
sieht und ihr insofern nicht unterliegt, als ihr Nichtsein nicht gedacht
werden kann (Bei dem Versuch, sie nicht zu denken, denken wir sie wieder.)
Nennen wir sie das Unbedingte. Das Unbedingte ermöglicht den Gegensatz
von Sein und Nichtsein im Denken zu denken. Das Denken spricht also im
Denken diese seine Voraussetzung aus - insofern wird das Unbedingte vom
Denken sowohl gesetzt als auch als seine Voraussetzung gesehen. Noch einmal
anders gesagt: Wir sind im Denken über die Alternative Sein oder Nichtsein
hinaus. Im Denken leben wir von der Bedingung, die beides ermöglicht.
Das Unbedingte ist Voraussetzung für alle Erfahrung. Damit ist es
kein Erfahrungsinhalt wie alle anderen, sondern Einheit von Begriff und
Realität (Idee). Wird diese grundlegende Einheit Gott genannt, kann
man in der Tradition Anselms, bzw. des von Kant so genannten (und hinsichtlich
seiner Gültigkeit bestrittenen) ontologischen Gottesbeweises sagen:
Gottes Nichtsein kann nicht gedacht werden. ÑWenn gedacht wird, ist Gott.ì
(Flasch)
24.1. Zur Abgrenzung vom Pantheismus: Zwar kennen wir das Unbedingte
nur als das, was in alle unsere Begriffe eingegangen ist. Aber es ist nicht
identisch mit den einzelnen Denkinhalten. Von ihnen unterscheidet es sich
durch seine Unterschiedslosigkeit (vgl. Nikolaus von Kues: Gott als das
Nicht-Andere).
24.2. Zur Ermöglichung von Kritik: Dieser Gedankengang ist hinsichtlich
seiner Überzeugungskraft abhängig von einem bestimmten Selbstverständnis,
das das Denken von sich hat: von der Einsicht, daß alle Wirklichkeit,
von der wir reden können, nur ein Gedanke ist, m.a.W.: von der Einsicht,
daß Denken uns Wirklichkeit erst erschließt.
24.3. Diese Einsicht wird von den gegenwärtig fortgeschrittensten
Theoriebildungen geteilt: Zugang zur Wirklichkeit haben wir in mathematischen
Modellen (Stringtheorien, Annahme n-dimensionaler Räume). Deren empirische
Überprüfbarkeit ist gegenwärtig nur partiell und vorläufig
möglich. Die naturwissenschaftliche Theoriebildung arbeitet also proleptisch:
ausgehend von Beobachtungen gelangt sie zu vorläufig geltenden Theorien.
Hinweis: Die Aussicht auf erst zukünftige Einlösung ihrer
Verheißungen stellt eine interessante strukturelle Ähnlichkeit
zwischen naturwissenschaftlichen Theoriebildungen und christlichem Glauben
dar.
25. Die skizzierte religionsphilosophische Theorie vom Unbedingten ist gleichzeitig Theorie der Bedingungen des Wissens: Das reine Eine bedarf eines Vermittlers. Im Sprechen reden wir von Einheit und Vielheit. Damit setzen wir eine Einheit als Einheit von Einheit und Vielheit. Anders gesagt: ÑDas einzige menschliche Leben, das wir erfahren, ist charakterisiert durch die Dreieinheit von Naturbestand, transzendentaler Subjektivität und geschichtlicher Gesamtbewegung.ì (Flasch)
Sie wird (wenigstens in groben Umrissen) dem christlichen Gottesverständnis gerecht: Gott ist nicht nur Schöpfer, sondern will auch bei seinen Geschöpfen sein (Inkarnation, Lehre vom Heiligen Geist). Er ist dreipersönlich (klassisch: ein Wesen in drei Personen). Menschen repräsentieren sein Schöpfersein (Gedanke der imago Dei).
Sie bricht aber mit dem klassischen Theismus, der Gott durch Naturereignisse erkennen will, und mit einem Mißverständnis des christlichen Trinitätsgedankens, als könnten wir in Gott bis drei zählen. (vgl. Augustin: Si numerabis, non est deus.)
Obendrein gibt diese religionsphilosophische Theorie naturwissenschaftlicher Erkenntnis jede Freiheit: Es ist die Freiheit des Denkens, das die ihm gesetzten Grenzen erkennen kann, seine eigenen Bedingtheiten erkennen kann. Wenn ich in meiner Handlung an einem fremd bleibenden Handlungsobjekt eine inhaltliche Entsprechung mit meinen begründeten Kriterien erfahre, erfahre ich Freiheit (Flasch).
Gott ist vom Denken nicht zu lösen. Versteht man Denken im Anschluß an die vorplatonische Ausgangslage der abendländischen Philosophie (Parmenides: Einheit vs. Heraklit: Bewegung) als Vereinigen des Mannnigfaltigen und Vervielfältigung des Einen, kann die christliche Trinitätslehre als Deutung der Einheit (Gottes) verstanden werden. Ohne Korrektur durch die Trinitätslehre würden wir uns Gott als etwas von uns Getrenntes vorstellen (vgl. dgg. Apg 17, 28: Denn in ihm leben, weben und sind wir.) ÑFür die schlechthinnige Einheit, deren Prozeß das Denken ist, sagen die Religionen Gott.ì (Flasch)
- wird fortgesetzt -