Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag mit Elementen einer Pessachfeier
Begrüßung und Einführung
Heute beginnen Ñdie drei österlichen Tage vom Leiden, Tod und
Auferstehung des Herrnì, das AbenteuerOstern (RTL) - mit dem Gründonnerstag.
ÇGrünë heißt dieser Tag nicht wie Ñgrünet die Hoffnungì,
sondern nach dem alten deutschen Wort Çgreinenë (Çweinenë). Am Abend dieses
Tages, nach jüdischer Zeitrechnung ist es der 5. Tag der Woche, wird
Jesus gefangengenommen. Zuvor feiert er mit seinen Jüngern ein letztes
Festmahl; denn - so erzählen es die Evangelisten Mt, Mk, und Lk -
an jenem Tag, im Jahre 30 oder 32 unserer Zeitrechnung, beginnt Pessach,
das Fest der Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten.
Jedes Jahr wurde und wird dieses Fest von den Juden in aller Welt gefeiert.
In diesem Jahr fällt es wieder mit den christlichen Feiertagen zusammen:
Heute ist der zweite Abend von Pessach mit dem Sedermahl.
In dieser Feier wird die Vergangenheit Gegenwart: Jeder ist befreit
worden, auch, wer heute lebt. Und die Gegenwart ist offen für die
Zukunft: Wer feiert, erwartet das Kommen des Erlösers, des Messias.
Auch wir Christen feiern heute am Gründonnerstag jenes Festmahl: in
der Tradition Jesu und seines Volkes ? im Glauben an den einen Gott, den
Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der auch die Gläubigen des Neuen
Bundes in die Familie der Befreiten einreihte.
Zu essen gibt es zunächst die alten symbolische Speisen: - Bedeutung
erfragen -
? Erinnerung an die Sklaverei: Mazzen, Bitterkräuter, ÑMörtelì;
das ÇStippenë der grünen Kräuter in Salzwasser: Tränen der
Knechtschaft oder Schilfmeer
- Erinnerung an den Tempel: Lammknochen - Pessachopfer, Ei - Opfer
am Pessachfest
(mittlere) Mazze - Opfer im Tempel, heute an seiner Stelle
Familiär ist diese Feier, sie will auch die Kinder einführen
in das Lob Gottes für seine große Taten. (Die Nüsse sollen
sie unterhalten. Mal sehen, was Kinder alles damit anfangen können...)
Die Feier kennt eine einfache Ordnung: Einer macht etwas vor, die anderen
tun es ihm nach. Es gibt besondere Rollen, einige sind traditionell, andere
haben wir neu erfunden: - verteilen -
Einschenker
Der Jüngste
Die Älteste
Der weise Sohn
Der böse Sohn
Der einfache Sohn
Handwäscher
3mal "Eine(r)"
eine Frau zündet Kerze an mit Segenswort
Und nun, laß uns Gott preisen mit den Worten Jesu und seiner Jünger! Es werde Gegenwart, was Gott an seinem Volk Israel begonnen hat und an ihm und den Völkern der Welt vollenden wird: Auszug aus Gewaltherrschaft, Befreiung ohne Vertreibung. Wir singen mit den Worten des Mose und anderer einst unterdrückter Sklaven: Let my people go! Laß es ziehn mein Volk!
1. Segensbecher (Kadesh)
Der erste Becher wird eingeschenkt. Die Mazzen werden bedeckt.
Wir sprechen gemeinsam:
Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der du die Frucht
des Weinstocks erschaffen hast.
Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der du uns aus
allen Völkern erwählt, über alle Nationen erhoben und uns
durch seine Gebote geheiligt hast.
Und so gabst Du uns in Liebe, Ewiger, unser Gott, Feiertage zur Freude,
Feste und Zeiten zur Wonne - und so dieses Fest der Ungesäuerten Brote,
die Zeit unserer Befreiung zur heiligen Verkündigung, zum Andenken
an den Auszug aus Ägypten.
Ja, Du hast uns auserwählt und geheiligt vor allen Völkern
und Deine heiligen Festtage in Freude und Wonne uns beschieden.
Gepriesen seist Du, Ewiger, der heiligt Israel und die Festzeiten!
Wir lehnen uns nach links und trinken den ersten Becher (austrinken, mindestens aber ein Drittel bis zur Hälfte).
2. Erstes Händewaschen (U-Rehats)
Der Sedergebende wäscht sich die Hände.
3. Essen der grünen Kräuter (Karpas)
Der Sedergebende nimmt einen Zweig Petersilie, taucht es in Salzwasser
und teilt kleine Portionen an alle aus. Dann sprechen alle den folgenden
Segen:
Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der du die Früchte
der Erde erschaffen hast.
Alle essen ihre Petersilie.
4. Das Brechen der mittleren Mazze (Yehats)
Der Sedergebende bricht die in der Mitte liegende Mazze durch und legt
das größere Stück beiseite.
5. Rezitieren der Haggadah, der Geschichte vom Auszug aus Ägypten
(Maggid)
Nun deckt der Sedergebende die Mazzen auf und hebt die Schüssel
in die Höhe. Alle sprechen:
Seht, welch armseliges Brot unsere Väter im Lande Ägypten
genossen haben!
Wen es hungert, der komme und esse; wer es bedarf, der komme und halte
Pessach; dieses Jahr dienstbar, künftiges frei.
Man füllt die Gläser zum zweiten Mal. Die Mazzen werden wieder
bedeckt.
Der Jüngste der Tischgesellschaft fragt:
Wodurch unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?
In allen anderen Nächten tunken wir nicht ein einziges Mal ein, in
dieser Nacht zweimal.
Jede andere Nacht essen wir gesäuertes oder ungesäuertes
Brot, diese Nacht nur ungesäuertes. In allen anderen Nächten
essen wir Fleisch entweder gegrillt, gekocht oder gebacken, in dieser Nacht
nur gegrillt.
Die Mazzen werden aufgedeckt. Die Tischgesellschaft antwortet:
Einst waren wir Sklaven des Pharao in Ägypten, aber der Ewige,
unser Gott, führte uns von da heraus mit starker Hand und ausgestrecktem
Arme. Hätte der Heilige - gelobt sei er - unsere Väter nicht
aus Ägypten geführt, wahrlich, wir, unsere Kinder und Kindeskinder
hätten auf ewig in Ägypten dienstbar bleiben müssen. Wären
wir alle auch weise, vernünftige und erfahrene Menschen, auch Kenner
der Thora, so bliebe es dennoch Pflicht, die Geschichte des Auszuges aus
Ägypten zu erzählen; und wer am meisten davon erzählt, ist
lobenswert.
Der weise Sohn fragt:
Welches sind die Zeugnisse, Anordnungen und Befehle, die der Herr,
unser Gott, dir befohlen hat?
Der Sedergebende antwortet:
In früheren Tagen beteten unsere Väter Bilder an, aber jetzt
hat uns der Allgegenwärtige in seinen Dienst gestellt. Gepriesen sei
Er, der sein Versprechen an Israel erfüllt! Gepriesen sei Er! Denn
der Heilige setzte der Gefangenschaft ein Ende, so daß Er erfüllen
konnte, was Er Abraham, unserem Vorvater, gesagt hatte.
Der böse Sohn fragt:
Was geht mich das an?
Der Sedergebende antwortet:
Das ist alles, weil der Herr es für mich getan hat, und mich aus
Ägypten brachte. Denn dasselbe Versprechen galt unseren Vätern
und uns selbst. Und nicht nur ein Mann ist gegen uns aufgestanden, sondern
in jeder Generation gibt es die, die gegen uns aufgestanden sind, um uns
zu vernichten. Aber der Heilige, gepriesen sei Er, hat uns aus ihren Händen
erlöst.
Der einfache Sohn fragt:
Was bedeutet das?
Der Sedergebende antwortet:
Mit mächtiger Hand brachte uns der Herr aus Ägypten, aus
dem Haus der Knechtschaft.
Und für den Sohn, der nicht zu fragen weiß:
Geh und lerne, was Laban der Aramäer unserem Vater Jakob zu tun
versuchte. Denn der Pharao ordnete nur die Tötung der männlichen
Kinder an, während Laban die Absicht hatte, alle zu töten! Wie
es gesagt ist:
"Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab
nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde
dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk. Aber die Ägypter
behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten
Dienst auf. Und der Herr führte uns aus Ägyptem mit mächtiger
Hand und ausgerecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen
und Wunder. Und er brachte uns heraus von dort, wie es heißt: "Und
der Herr brachte uns fort aus Ägypten."
- Die Erzählung vom Auszug aus Ägypten-
Wir singen den Kanon "Vom Aufgang der Sonne"
Der Sedergebende spricht im Wechsel mit der Tischgesellschaft:
Welch eine Menge mannigfacher Wohltaten hat uns der Allerhalter erwiesen!
Hätte er uns von den Ägyptern bloß befreit, ohne Gerichte
an ihnen auszuüben, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er Gerichte an ihnen ausgeübt, nicht aber auch an ihren
Göttern, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er ihre Götter zerstört, ohne zugleich auch ihre
Erstgeborenen zu erschlagen, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er ihre Erstgeborenen erschlagen, ohne uns auch der Ägypter
Reichtum zu schenken, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er uns ihren Reichtum geschenkt und uns nicht auch das Meer
gespalten, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er uns das Meer gespalten, ohne uns trocken durchzuführen,
dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er uns trocken durchgeführt, ohne unsere Feinde darin
zu versenken, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er unsere Feinde darin versenkt, ohne weiter für unseren
Unterhalt in der Wüste vierzig Jahre lang zu sorgen, dies wäre
uns genug gewesen.
Hätte er für unseren Unterhalt in der Wüste vierzig
Jahre lang gesorgt, ohne uns mit Manna zu nähren, dies wäre uns
genug gewesen.
Hätte er uns mit Manna genährt und uns nicht auch den Sabbath
gegeben, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er uns nur den Sabbath gegeben, ohne uns weiter vor den
Berg Sinai zu führen, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er uns vor den Berg Sinai geführt, ohne uns weiter
die Thora zu geben, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er uns die Thora gegeben, ohne uns in das gelobte Land zu
führen, dies wäre uns genug gewesen.
Hätte er uns in das gelobte Land geführt und uns keinen Tempel
gebaut, dies wäre uns genug gewesen.
Die Älteste spricht:
Nicht eine also, sondern viele und oft wiederholte Wohltaten verpflichten
uns dem Allerhalter!
Er hat uns aus Ägypten geführt, hat Gerichte ausgeübt
an ihnen und ihren Göttern, hat ihre Erstgebornen erschlagen, hat
uns ihren Reichtum geschenkt, hat uns das Meer gespalten, uns im Trocknen
durchgeführt und unsere Feinde darin versenkt, hat für unseren
Unterhalt in der Wüste vierzig Jahre lang gesorgt und uns mit Manna
gespeist, hat uns den Sabbath gegeben, hat uns vor den Berg Sinai geführt,
uns die Thora gegeben, uns in das gelobte Land gebracht und einen Tempel
gebaut, um all unsere Sünden zu sühnen.
Der Sedergebende spricht:
Rabbi Gamaliel sagt:
Wer am Pessachfeste nicht folgende drei Dinge erwähnt, der hat
seine Pflicht nicht erfüllt, als nämlich: das Pessachopfer, ungesäuertes
Brot und bitteres Kraut.
Das Pessachopfer, das Überschreitungsopfer, was soll das bedeuten?
Einer aus der Tischgesellschaft antwortet:
Es soll darauf hindeuten, daß der Heilige - gelobt sei er - über
die Häuser unserer Väter in Ägypten hinweggeschritten, denn
so sagt die Schrift:
"So sprecht, es ist ein Überschreitungsopfer dem Ewigen zur Ehren,
weil er in Ägypten über die Häuser der Kinder Israels hinweggeschritten,
da er Ägypten geschlagen und unsere Häuser errettet hat."
Der Sedergebende fragt:
Dieses ungesäuerte Brot, das wir essen, was bedeutet es?
Einer aus der Tischgesellschaft antwortet:
Es soll auf den Umstand deuten, daß der Brotteig unserer Väter
die Zeit zu säuern nicht hatte, bis ihnen der König, aller Könige
König, erschien und sie erlöste; so erzählt die Schrift:
"Von dem Teige, den sie aus Ägypten mitgenommen, backten sie ungesäuertes
Brot, denn er war nicht gesäuert; denn sie wurden aus Ägypten
hinausgetrieben und konnten sich nicht aufhalten, so daß sie sich
auch keine Zehrung zubereiteten."
Der Sedergebende fragt:
Dieses bittere Kraut, das wir essen, was für eine Bedeutung hat
es?
Einer aus der Tischgesellschaft antwortet:
Es deutet darauf, daß die Ägypter das Leben unserer Väter
bitter gemacht haben; so sagt auch die Schrift:
"Sie machten ihnen das Leben bitter durch harte Arbeit mit Lehm und
Ziegeln und allerlei Arbeit auf dem Felde; nebst andern Hausarbeiten, wozu
sie dieselben mit Härte antrieben."
Der Sedergebende spricht:
In allen Zeitaltern ist jeder verpflichtet, sich zu betrachten, als
ob er gleichsam selbst aus Ägypten gegangen wäre, denn so sagt
die Schrift:
"Du sollst deinem Sohn an jenem Tage erzählen und sagen: Um dessentwillen,
was der Ewige mir getan, als ich aus Ägypten ging."
Nicht unsere Väter nur hat der Heilige - gepriesen sei Er - erlöst,
sondern auch uns mit ihnen; denn so sagt die Schrift:
"Uns hat er von da weggeführt, um uns hierher zu bringen und uns
das Land zu geben, das er unseren Eltern zugeschworen hat."
Der Sedergebende bedeckt die Mazzen, und erhebt sein Glas:
Darum sind wir verpflichtet, zu danken, zu loben, zu rühmen, zu
preisen, zu erheben, zu verherrlichen, zu benedeien, Hochachtung und Verehrung
zu erweisen ihm, der unseren Vätern und uns alle diese Wunder getan.
Er hat uns aus der Dienstbarkeit zur Unabhängigkeit, aus dem Kummer
zur Freude, aus der Trauer zu Festtagen, aus düsterer Finsternis zu
hellem Lichte und aus der Knechtschaft zur Freiheit geführt! So laßt
uns denn ihm singen Halleluja!
Wir singen den Halleluja-Ruf EG Nr. 181.8:
6. Zweiter Segensbecher
Der Sedergebende spricht:
Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der du uns und
unsere Väter aus Ägypten erlöst und uns der heutigen Nacht
zugeführt hast, in ihr das Pessachopfer, ungesäuertes Brot und
bitteres Kraut zu essen. So laß uns, Ewiger, unser Gott und Gott
unserer Väter, leben, um in Frieden andere Feste und heilige Zeiten
zu feiern, fröhlich im Aufbau Deiner Stadt und glücklich in Deinem
Dienst. Dann werden wir Dir ein neues Lied für unsere Erlösung
singen.
Die Tischgesellschaft antwortet:
Gepriesen bist Du, o Herr, der Israel erlöst hat. Gepriesen sei
Er, der Wunder vollbrachte für unsere Väter in dieser Zeit, um
Abrahams, Isaaks und Jakobs willen. Gepriesen seist Du, o Herr, der des
Bundes gedenkt.
Der Sedergebende spricht:
Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der du die Frucht
des Weinstocks erschaffen hast.
Wir lehnen uns nach links und trinken zum zweiten Mal (austrinken).
7. Zweites Händewaschen (Ratsah)
Alle sprechen folgenden Segen und waschen sich die Hände.
Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der uns durch
seine Gebote geheiligt hat und uns anbefohlen hat das Händewaschen.
8. Der Segen für Brot und Mazzen (Motsi-Matsah)
Der Sedergebende nimmt die drei Mazzen, erhebt sie und spricht folgenden
Segen:
Gepriesen, seist Du, Ewiger, unser Gott, der das Brot aus der Erde
hervorkommen läßt.
Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der uns durch
seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, das ungesäuerte Brot
des Elends zu essen.
Er ißt. Alle wiederholen den Segen und essen eine halbe Mazze,
auf die linke Seite geneigt
9. Das Essen der Bitterkräuter (Maror)
Der Sedergebende verteilt Bitterkraut (Meerretich), taucht es in den
"Mörtel" und spricht folgenden Segen:
Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, Herr der Welt, der du uns durch
deine Gebote geheiligt hast und uns befohlen hast, bittere Kräuter
zu essen.
Er ißt beides zusammen. Alle tun es ihm nach, aufrecht sitzend.
10. Mazze mit Bitterkräutern (Korekh)
Der Sedergebende nimmt ein Stück Mazze und ein Stück Bitterkraut,
taucht es in den "Mörtel" und spricht:
Dies ist eine Erinnerung an den Tempel; dies ist was Rabbi Hillel tat,
als der Heilige Tempel stand. Er nahm das Pessachopfer, Mazzen und Bitterkräuter
und aß sie zusammen, um zu erfüllen, was geschrieben steht:
"Mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern sollen sie es
essen."
Er ißt. Alle tun es ihm nach.
10. Ansprache
Vor dem dritten und vierten Becher folgt nun eine Unterbrechung der
Feier, nein eigentlich keine Unterbrechung: Was nun kommt, gehört
dazu. Es wird aufgetischt, was die Küche zu bieten hat: mindestens
zwei gekochte Gerichte hat es zu geben. Zur Zeit des Tempels dagegen gab
es nur Geröstetes. Das ging nicht nur schneller angesichts der großen
Zahl der um den Tempel Versammelten, Geröstetes stand dort ja auch
im Mittelpunkt: das geopferte Lamm. Die Erzählung vom Auszug, das
gemeinsame Essen in seiner besonderen geregelten Form fand darin seine
Mitte, im Essen des Lammes, das im Tempel geschlachtet worden war zur Erneuerung
der Gemeinschaft mit Gott, zur Sühne für die Sünden.
Danach ging das Sedermahl, also das Essen in seiner besonders geregelten Weise weiter: Die dritte (mitlere) Mazze tritt vor Augen. (Heute steht sie bei den Juden an Stelle des Opfers, das in der Zeit nach der Zerstörung des Tempels irgendwann aufgehört hat.) Jeder bekommt einen Bissen. Denn die Feier des Pessachfestes hat nicht aufgehört. Die jüdische Hoffnung blieb offen für ein neues Handeln Gottes in der Zukunft. Nach der Zerstörung des Tempels trank man deshalb auch nach den vier Bechern als Dank für das vierfache Handeln Gottes beim Auszug aus Ägypten einen symbolischen 5. Becher in der Aussicht auf das verheißene Land.
So feiert man Pessach - dieses Jahr dienstbar, künftiges frei - in Erwartung künftiger Befreiung. Und es gibt da den freien Platz, den Platz für Elia: Nach dem Mahl wird die Tür geöffnet. Steht er nun da, der das Kommen des Gottesreiches ankündigt, der als Wegbereiter des Messias kommen soll? So warten die Kinder Israels, die Juden in aller Welt, noch heute. (In den großen Judenverfolgungen des Mittelalters sollen manchmal die christlichen Verfolger vor der Tür gelauert haben. Gestern abend in Netanja war es ein Selbstmordattentäter.) Und jeder nimmt einen Schluck aus dem für Elia reservierten Becher und stimmt ein in Psalmen des Dankes.
Aber ist der Messias nicht schon da? Hier in unserer Mitte? Das fragten sich damals die Anhänger Jesu, die Frauen und Männer, die ihm nach Jerusalem gefolgt waren. Das Volk hatte ihm zugejubelt. Würde er nun seine Herrschaft antreten? Oder droht Gewalt von Seiten der Herrschenden? Die Stimmung ist explosiv. Die römische Besatzungsmacht ist nervös. In dieser Situation feiern Jesus und seine Jünger Pessach. Der Text war damals nicht fest ausformuliert, aber hatte wohl schon die auch heute übliche und von uns verwendete Ordnung angenommen. Jesus greift also zu Brot und Wein. War es die beiseitegelegte dritte Mazze? War es der Becher, der Elia galt? Greift Jesus also nach seiner Rolle? - Brot und Kelch holen - Aber dann Jesus sagt etwas Neues, etwas Unerhörtes: "Das ist mein Leib. - Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut."
Ist das noch die gewohnte Ordnung der Pessachfeier, wo jeder einen Bissen Brot von der Mazze bekommt, die für das Opfer steht, bevor der Lammbraten gegessen wird? Ist das noch der gewohnte Schluck aus dem Eliabecher? Geschieht da nicht Neues?
Jesus spricht als der Messias! Alte Bräuche bekommen damit einen neuen Sinn. Er bricht das Brot und reicht den Becher. So wie er diese Speisen gibt, wird er sein Leben geben. Der Messias kommt als einer, der leiden und sterben wird ? wie die Opferlämmer im Tempel. Jesus tritt an die Stelle der Lämmer, er ist das Lamm, das Lamm Gottes.
Unser Blick richtet sich nun nicht mehr auf den leeren Stuhl für einen kommenden Messias - wegstellen -, sondern auf Brot und Wein. Wir sehen auf Brot und Wein als Zeichen der Gemeinschaft mit Jesus, dem Messias, der einst in der Macht Gottes kommen wird als der Herr aller Geschöpfe. Wir preisen ihn als das Opfer des Neuen Bundes, unser Osterlamm. Wir feiern den Neuen Bund mit diesen Zeichen der Hingabe und hören Jesu Worte, wie sie das Evangelium des Lukas bezeugt: - Textlesung -
11. Abendmahlsbericht
nach Lukas 22, 15-2O
Alle antworten:
"Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, deine Auferstehung preisen
wir, bis du kommst in Herrlichkeit."
Vater unser
"Christe, du Lamm Gottes"
12. Austeilung
Wir reichen einander Brot und Kelch mit den Worten
"Christi Leib, für dich gegeben." - "Christi Blut, für dich
vergossen."
13. Dankpsalm
wir beten aus Ps 118 und antworten jeweils mit dem Liedruf:
"Amen, Christus Jesus, komm"
Segen
Wir singen das Lied EG Nr. 409, 1-5