Kurzpredigt in der Feier der Osternacht 2006
Liebe Gemeinde!
Osterurlaub in Zeiten der Vogelgrippe: Ein Tourist sieht einen Schwan
auf dem Rücken liegen - und läuft schleunigst davon. Sagt ein
zweiter Schwan: ÑEr ist weg. Du kannst wieder aufstehn.ì
Ein Witz von gestern - wenn man bedenkt, wie still es um das Thema angesichts
der wirklichen Gefahr geworden ist? Oder eher makaber - wenn man vor Augen
hat, daß das Ostergeschäft wirklich für viele zum Flop
werden kann? Wegen der Vogelgrippe und wegen des Wetters? Was soll da ein
Witz über die Haßliebe von Einheimischen gegenüber den
Touristen, auf die man angewiesen ist, von denen man abhängig ist,
deren Bestes man will - ihr Geld? Wie soll man darüber lachen - angesichts
des Abgrunds, vor dem unser Land seit Jahren steht? Lachen im Angesicht
des Abgrunds - und sei es nur der finanzielle - das ist auch nichts für
jeden, das nur etwas für den, der sein Lebensgefühl nicht am
Erfolg festmachen muß - nicht am geschäftlichen, nicht an den
Mitmenschen, nicht an so etwas wie Ehre. Den Grund und die Möglichkeit
dazu finden wir in dieser Nacht.
Seit dieser Nacht können wir dem Mißfolg, dem Leiden, ja
dem Tod trotzen - denn Christus geht aus dem Tod zu Gott, dem Vater - und
nimmt uns mit. Und wenn wir noch so mitgenommen aussehen: In dieser Nacht
sind wir stark. Ostern, da schlägt alle Trauer um in Freude, Dunkelheit
in Licht. Da wird nicht die Nacht zum Tag gemacht - dies wäre nicht
genug gewesen. In dieser Nacht beginnt der Tag, der keinen Abend kennt,
der Tag des Herrn.
Eine Nacht der Kontraste. Wir hielten Nachtwache - im Hören auf
Gottes Wort an die Welt. Die Flammen des Osterfeuers erhellten und erwärmten
die Nacht: Christi Auferstehung ist wie ein Feuer, das die Dunkelheit durchdringt.
Uns wurde verkündet die Botschaft von seiner Auferstehung, eine Botschaft
für die ganze Welt. Da wurde die Osterkerze entzündet und in
die Kirche getragen, Symbol für Christus, das Licht der Welt. Und
jeder trägt eine Kerze, jeder ist Träger seines Lichtes. Im Zeichen
des Wassers wurden wir dessen inne, daß wir getauft sind, nicht mehr
uns selbst oder anderen Mächten gehören, sondern Jesus Christus,
dem Herrn des Lebens. Nun ist es aus mit allem anderen, das uns von sich
abhängig machen will: was Menschen von einem denken und wollen, eine
Abhängigkeit, die subtiler, aber ebenso gefährlich ist wie eine
Abhängigkeit von Drogen. - Ostern, das ist Leben aus dem Tod, Leben
das dem Negativen trotzen kann. Denn hier bekommen wir es mit der Macht
Gottes zu tun. Und darum können wir wieder aufstehen und lachen -
auch wenn wir am Boden liegen. Das ist wie mit dem Witz vom scheinbar sterbenden
Schwan: Den erzählen die Leute auf Rügen selbst.
G. Amen.