Predigt am Ostersonntag 2007
Liebe Gemeinde aus Groß und Klein!
Welches sind die 5 untrüglichsten Anzeichen dafür, daß
Ostern ist?
Platz 5: Die Hälfte der Gemeinde ist verreist.
Platz 4: Überall rollen Ostereier auf einen zu.
Platz 3: Man sieht mehr Hasen aus Schokolade als es noch lebendige
Hasen gibt.
Platz 2: In den Kirchen wird der Ruf ÑHallelujaì verdoppelt - mindestens.
Das untrüglichste Kennzeichen von Ostern aber - auf Platz 1 -
ist dieses - zeigen -:
das Osterlamm.
Nanu, fragen sich jetzt vielleicht einige, was hat denn so ein Lamm mit Ostern zu tun? Liegt das daran, daß jetzt im Frühling so viele Lämmer auf den Feldern draußen vor der Stadt zu sehen sind? Wie putzig, wie süß, wie niedlich... Aber das alles ist Knut ja auch: putzig, süß und niedlich (noch jedenfalls). Warum ist denn der kein Osterzeichen (obwohl jetzt bestimmt mehr Menschen zu ihm in den Zoo pilgern als in die Kirchen)?
Wer natürlich Ñdie drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrnì - Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht - schon mitgefeiert hat, der weiß Bescheid: das Lamm ist ein Zeichen für Jesus Christus. Der starb am Kreuz und wurde von Gott auferweckt - aber nicht, wie ein Schlafender geweckt wird und anschließend sein Leben ganz normal weiterführt, sondern diese Auferweckung Jesu von Nazareth, seine Auferstehung von den Toten, hat eine besondere Bedeutung. Und die sieht man, wenn man an ein Lamm denkt.
Was passiert denn mit Lämmern? Es klingt grausam und blutig, aber es ist wahr: Sie werden geschlachtet. Und in dem Land, in dem Jesus lebte, wurden sie nicht nur geschlachtet, damit die Menschen zu essen hatten - ihr Tod hatte auch eine besondere Bedeutung, jedenfalls dann, wenn sie im Tempel geschlachtet wurden. Dann waren sie ein Zeichen dafür, daß die Menschen sich mit Gott wieder versöhnen wollten. Wer nämlich etwas Böses getan hatte, wer gegen Gottes Gebote verstoßen hatte, wußte: Jetzt verdiene ich Strafe. Wer selber Blut vergossen hatte, das Blut eines Menschen, wußte: Jetzt bin ich des Todes. Jetzt muß ich die Blutrache der anderen befürchten. Aber das hat Gott verhindert: An die Stelle der Blutrache trat ein Ersatz: das Opfer eines Lammes. Das war ein Zeichen, daß Gott sich wieder mit den Menschen versöhnt - obwohl sie Böses tun. Und daß auch die Menschen sich wieder miteinander versöhnen sollen.
Und jedes Jahr gab es im alten Israel ein Fest, zu dem jeder kommen mußte, das Pessachfest. Da aß man gemeinsam von den Lämmern, die im Tempel in Jerusalem geschlachtet worden waren und dachte daran, daß das Blut eines Lammes vor langen Jahren für die Menschen zum Schutzzeichen geworden war: Damals, als die Vorfahren ausgezogen waren aus Ägypten und Gott die Ägypter strafte, weil sie sein Volk gefangengehalten halten, da strichen sie das Blut eines Lammes an ihre Häuser - und Gottes Strafe ging an ihnen vorüber.
Dann aber starb Jesus, nein, er starb nicht einfach, er wurde gekreuzigt. Sein Blut wurde vergossen. War er ein Verbrecher, der diese Strafe vielleicht sogar verdient hätte? Aber was hatte er denn getan? Er hatte den Menschen von Gott erzählt, daß sie wieder auf ihn hören sollten - und daß Gott wieder auf sie hört, daß er die Klagen der Menschen hört und erhört, daß er zu ihnen kommt durch seinen Boten, den Messias.
Als Gott Jesus von den Toten erweckte, wußten die, die an ihn glaubten: Jesus, er war dieser Messias, und sein Tod - gerade dieser grausame Tod - hat etwas Besonderes zu bedeuten. Sie sagten: Jesus ist gestorben wie ein Lamm. Sein Blut wurde vergossen wie das der Lämmer - als Zeichen dafür, daß Gott sich mit den Menschen verträgt. Jesus ist das wahre Pessachlamm - und das letzte. Denn Menschen brauchen jetzt nichts mehr zu tun, um sich mit Gott zu vertragen - weil Gott alles getan hat. Ab jetzt brauchen wir also keine Opfertiere mehr - und ab jetzt dürfen erst recht keine Menschen mehr zu Opfern gemacht werden. So wird Jesus zum Opferlamm - und zu Ostern als kleines Lamm dargestellt - selbst von meinem Fleischer hier auf seiner Tüte. Ob er wohl weiß, was das Bild in Wirklichkeit bedeutet?
ÑFrohe Ostern, Herr Pfarrer!ì Dieses Bild hier bekam ich neulich von
einem kleinen Kind geschenkt. Für die, die es nicht sehen können:
Es zeigt ein kleines Lamm.
Hätte ich die Geschichte von Jesus, dem Osterlamm nicht gekannt,
wäre ich vielleicht beleidigt gewesen. Das Bild könnte ja auch
bedeuten: ÑDu Schafskopf!ì
Ein Schriftsteller aus Dänemark erzählt nämlich, daß er als kleines Kind mit seinem Vater zu Ostern einmal die Stadt München besucht hat. Überall in den Geschäften wurden Lämmer aus Teig oder Schokolade verkauft, in allen Größen. So unterschiedlich sie auch waren - alle hatten sie ein gekrümmtes Vorderbein, und schräg dadurch gesteckt war eine Stange mit einer Fahne dran. Diese Fahne sah ein bißchen aus wie die dänische Flagge. Der kleine Junge wundert sich und fragt seinen Vater, was das bedeutet. Der Vater ist ein Witzbold, will seinen Sohn auf den Arm nehmen und sagt: ÑWeißt du, die Deutschen wollen uns ärgern, die wollen damit sagen, daß wir Dänen von Schafsköpfen regiert werden - und ich glaube, sie haben damit sogar Recht.ì (Dieses Erlebnis soll das Verhältnis des späteren Schriftstellers zu uns Deutschen jahrelang getrübt haben.)
Natürlich, liebe Gemeinde aus Groß und Klein, wollte mit
dem Osterlamm kein Münchner seine dänischen Nachbarn ärgern.
Das erkennen Sie auf unserem Bildzettel. Da haben wir das Osterlamm als
Zeichen für Jesus in verschiedenen Abbildungen: Zunächst das
Lamm mit der Fahne. Hier erkennt man deutlich, es ist keine Nationalfahne,
sondern ein Wimpel, ein Siegeszeichen - und die Stange läuft aus in
ein Kreuz. Einen solchen Wimpel kann man sich auch selbst basteln und an
ein gebackenes Lamm stecken. Mit so einem Lämmchen war ich als Kind
jedes Jahr zu meinen Großtanten unterwegs, um ihnen ÑFrohe Osternì
zu wünschen. Und daneben ist Christus, das Lamm, in einem Wappen.
Das war in der Familie Martin Luthers üblich. Hier erkennt man besonders
deutlich Kreuz und Siegesfahne - und den Zusammenhang mit etwas, was immer
wieder in der Kirche geschieht: Das Blut des Lammes fließt in den
Kelch der Abendmahlsfeier. Der Wein und der Traubensaft nämlich, den
wir trinken, sagen uns: Jesus ist bei uns. Sein Blut vom Kreuz, ist das
Zeichen der Versöhnung von Gott und Menschen. Es hält uns mit
ihm und miteinander in Verbindung. Das meint Ostern: Gott geht mit uns
durch dick und dünn. Wir sind sozusagen Blutsbrüder. Gott und
Mensch halten nun zusammen.
Hat vielleicht schon jemand das Rätsel des Vexierbildes gelöst?
Was gibt es da zu sehen? -
Und wie ist es mit der Frage aus den Karikaturen: Welche Antwort ist richtig? - c -
Und darum steht das Lamm auf Platz 1 der untrüglichsten Anzeichen
dafür, daß Ostern ist.
Amen.